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Gassenhauer zwischen Gefühlswelten

„Mondscheintarif“ im Theater Die Komödianten Gassenhauer zwischen Gefühlswelten

Egal, was gespielt wird: In Christoph Munks Inszenierungen für das Theater Die Komödianten ist Musik drin. Da machte auch das vom Premierenpublikum mit tosendem Applaus honorierte Damen-Solo "Mondscheintarif" nach dem Roman von Ildikó von Kürthy keine Ausnahme.

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Wartet mit Bravour: Sina Schulz als Cora Hübsch.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Als kaum übersehbarer Fingerzeig einer der früheren notenreichen Produktionen ziert denn auch ein „Lola Blond“-Plakat die Szene. Dort verbindet Bühnenbildner Bruno Giurini geschickt eine schicke Single-Wohnung mit einer gehoben-gemütlichen Kneipe.

 Diese beiden Orte markieren die Gefühlswelt von Cora Hübsch. Rechts die triste Realität der eigenen vier Wände, links der Sehnsuchtsraum, in dem Träume wahr werden. Einer dieser Träume heißt Dr. med. Daniel Hofmann, ist schön, charmant und offensichtlich gut im Bett. Denn nach einem One Night Stand mit dem Doktor glaubt Cora tatsächlich, sie hätte sich verliebt. Das einzige Problem dabei ist das Telefon: Es klingelt nicht. Daniel ruft nicht an, seit drei Tagen schon. Und so schwinden Coras Glücksgefühle von Minute zu Minute, Selbstzweifel, Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit bemächtigen sich der Frau. Und während sie weiter schmachtet, durchwandert sie noch einmal die verschiedenen Stationen ihrer holprigen Romanze bis zur alles entscheidenden Nacht.

 Sina Schulz meistert den anstrengenden Monolog mit Bravour und Leichtigkeit. Mal ist sie das verliebte Mädchen, dann die freche Göre, mal eine hoffnungsvolle Romantikerin, dann das frustriertes Frauenzimmer. Und weil sie unter Munks Regie spielt, muss sie natürlich auch viel singen. Denn von Roy Orbisons Pretty Woman bis zu Wolle Petrys Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle kommentiert die Regie das Geschehen mit allerlei Gassenhauern. Mit ihrer prächtigen Musical-Stimme adelt Sina Schulz zwar das zweifelhafte Liedgut, kann aber auch nicht verhindern, dass der Abend zuweilen etwas unentschlossen zwischen Revue und Schauspiel pendelt.

 Tickets, Infos und weitere Vorstellungen: www.komoedianten.com

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