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Die Monotonie lichter Schwärze

Mono Inc. in der Pumpe Die Monotonie lichter Schwärze

„Ihr entscheidet, was nicht gut ist und rausfliegt“, ermächtigt Sänger Martin Engler das Publikum in der gut besuchten Pumpe. Das ist also Versuchskaninchen für die in Kiel startende Tour der Hamburger Darkrocker Mono Inc. mit alten Songs und neuen vom aktuellen Album Terlingua.

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Zwischen West und Ost, irrlichtem Rock und schwarzer Romantik: Mono Inc. beim Tourauftakt in der Pumpe.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Der Titel ist Programm, denn Terlingua ist ein Dörfchen in Texas, wohin sich die Monos einige Tage verkrochen, um die Wüste des Wilden Westens zu schnuppern und ihren Silberling auf noch düsterer zu polieren. Die Vorband Stoneman hat als Wiedergänger von Rammstein schon mal die Piste geteert, jetzt muss sie engelsflügelgefedert werden. Mysterische Gongschläge, ein Sample aus Morricones berühmtem Soundtrack zu C’era una volta il West, schon ist die Atmo bereitet für die dunkelsten der Western. Wir sind im staubigsten Südwesten, wo nur eine schmale Straße „zu neuen Ufern“ führt, wie der Opener Die Noten deines Lebens verheißt.

Im tiefsten Texas mag solche monotone Hymne eine Hyäne hinter dem Kaktus hervorlocken, in der Pumpe schafft das erstmal keine Begeisterung, aber erwartendes Zuhören, was ja auch nicht schlecht ist. Die erste Mitklatschnummer kommt als vierter, nicht eben neuer Streich mit This Is The Day. Bevor wir was wirklich Neues von den Monos hören, wird in der Prärie bewährter Songs gegrast, passt doch der Cowboy-Whistleblow am Beginn von Kein Weg zu weit genau so gut in die Szenerie wie der Hit Heile heile Segen. Doch der Westen bleibt trocken wie in It Never Rains, selbst im Uptempo der Symphony Of Pain, in der die Gitarren-Salven hart, aber trostlos hämmern.

Tränen in den dunklen Augen

Trostlosigkeit ist indes eines der Dauerthemen der Mono Inc. und lässt manche Träne aus dem Aug’ der „Dark People“ rinnen, zumal der weiblichen, deren schwarze Schminke darob hübsch zerfließt. Gleichwohl sind hier ja nun Rock derharten Gangart und dito zuckende Lightshows angesagt. So darf man die Monotonie der lichten Schwärze auch trefflich feiern – etwa in Chasing Cars. Drive by wird dennoch nicht geshootet, die Colts bleiben im Halfter des alten Europas, es folgen romantische Streicheleinheiten mit Engler am Solo-Piano. Die freilich haben es auch An klaren Tagen in sich, gerade im hiesig diesigen November. „Noch so ein Versuchsballon“ sei das, sagt Engler, doch der zeigt Tendenz zu Höhenflügen. Das Lied betreffe „nicht nur euch, sondern auch meine Familie“. Dass er dafür „alles gegeben und alles verloren“ habe, wie es in der Monodie heißt, nimmt man ihm ab, weil er sich zum Schluss mit Bassist Manuel Antoni lange und innigst umarmt.

Einer der schönsten Momente der lichten Schwärze. Country-Romantiker wie Gunter Gabriel und nicht zuletzt Altvater Johnny Cash grüßen, bevor es heavy rockend ins Finale geht. Engler lässt abstimmen zwischen Beifall des linken und rechten Teils des Publikums. Sein versöhnliches Urteil: „Unentschieden!“ Genauso wie Mono Inc. zwischen West und Ost, irrlichtem Rock und schwarzer Romantik.

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