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„ … aber weg waren sie nie“

Mono & Nikitaman in der Pumpe „ … aber weg waren sie nie“

Kiel. „Auch die Pause gehört zur Musik“, konstatierte einst der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig. Die österreichisch-deutsche-Formation Mono & Nikitaman hat's befolgt und ist nun wieder voll da.

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Hielten die Fieberkurve der Party auf gleichbleibend hohem Niveau: Mono & Nikitaman.

Quelle: MICHAEL KANIECKI; michael kaniecki

Dass Zweigs Bonmot Ewigkeitswert hat und dabei nicht nur auf ein Werk, sondern auch auf ganze Karrieren zutrifft, davon zeugen die vielen gelungenen Comebacks nicht nur der populären Musikgeschichte. Die österreichisch-deutsche-Formation Mono & Nikitaman fügte bei ihrem Gig in der Pumpe dieser ruhmreichen Tradition nun ein weiteres Kapitel hinzu.

 Vier Jahre hatte sich das Duo Zeit gelassen, bevor es sein aktuelles Album mit dem Titel Im Rauch der Bengalen auf dem eigens gegründeten Label M&N Records präsentierte. Bis zur selbstverordneten Kreativ-Pause zündeten die als Monika Jaksch und Nick Tilstra geborenen Künstler ihren schweißtreibenden Dancehall-Reggae-Punk-Hip-Hop-Hybrid mit hochfrequenter Taktzahl und atemloser Energie in nahezu sämtlichen Läden der Republik. Die Platten und Texte waren immer sehr gut, die Shows waren heiß. Und daran hat sich nichts geändert.

 Nachdem nämlich der Bonner Rapper-Songwriter Simon Grohe seinen inhaltlich wie musikalisch durchaus animierenden Support beendete, machten Mono & Nikitaman mit ungebremster Macht dort weiter, wo sie einst stoppten. Der Geist dahinter offenbart sich schon im Opener der Platte und des Konzerts, Alles Zurück, wo es heißt: „Es kommt alles zurück / und noch mehr, ich kann’s kaum erwarten. Endlich wieder zurück / wieder da, es brennen die Straßen!“ Das peitscht wie in alten Zeiten und zieht das Publikum vom ersten Takt an in seinen Bann.

 Mag sein, dass das neue Album im Studio einen etwas poppigeren, etwas konventionelleren Anstrich erhalten hat als die Vorgänger. Die sozialkritischen Texte der Songs (besonders gelungen: Ein Haus ist kein Zuhause über die aktuelle Flüchtlingsproblematik) sind nach wie vor relevant, und auf der Bühne wirken sie nicht minder mitreißend als die älteren Stücke. Das ironische Seid ihr bereit? ist so ein Knaller aus früheren Tagen. „Jump up, jump up – alle machen mit / jump up, jump up – alle kommen mit /jump up, jump up – alle rocken mit“, powert Nikitaman in die begeisterte Menge. Songs wie diese, aber auch das brandneue Eine Sekunde schütteln die Mono & Nikitaman-Mixtur durch die harten, enorm drückenden Beats und die aufputschende Publikumsanimation allerdings gefährlich nah an den Rand des Rave, ohne dabei freilich in Eindimensionalität zu zerfließen.

 Bis zum Zugabenblock, in dem die vier Musiker der großartigen Live-Band mit kurzen Soli zeigen konnten, aus welch edlem Holz sie geschnitzt sind, bewegte sich die Fieberkurve der Party auf gleichbleibend hohem Niveau und lieferte den schlagenden Beweis für die Zeile aus dem alterprobten Rückkehr der Clowns, „Sie sind wieder da, aber weg waren sie nie.“

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