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Organisch und offensiv

Mozart Heroes im Lutterbeker Organisch und offensiv

So eine Presseinfo klingt doch mal interessant: „Mozart hätte vor lauter Headbanging seine Perücke verloren.“ Geschrieben steht dieser Satz in der Selbstvorstellung der Mozart Heroes mit Cellist Chris und Phil an Gitarren und Loop-Maschine.

Temperamentvoller Umgang mit Klassik: Mozart Heroes mit Cellist Chris und Phil an Gitarren und Loop-Maschine.

Quelle: *

Lutterbek. Das Duo aus der Schweiz debütierte im letzten Herbst mit seiner fulminanten CD The First Record und tourt seitdem unter dem Motto Rockin’ Musical Worlds! auch durch Deutschland – am Sonnabend rocken sie den Lutterbeker.

 Schaut man auf ihrer Website vorbei, wo sich ein Video findet, in dem J. S. Bachs Cello-Suite Nr. 1, G-Dur gleichermaßen organisch wie offensiv kontrastreich mit der Filmmusik von Game Of Thrones gemixt wird, stellt man sich gleich zwei „Perücken“ headbangend vor. Denn Bach wie Mozart waren jeweils ihrer Zeit weit voraus, experimentierfreudig und für alles Neue in der Musik offen. Crossover zwischen Klassik und Rock sind heutzutage Legion, doch die Mozart Heroes fügen dem eine ganz andere Facette hinzu. Sie inszenieren bewusst die Brüche zwischen Altem und Aktuellem, verschmelzen nicht einfach nur beides, sondern vertrauen auf die Genre-Grenzen überwindende Kraft zeitloser Musik, wie wir sie von Mozart, Bach, Vivaldi, genauso von AC/DC und Metallica kennen – und hier neu kennenlernen.

 Chris und Phil trafen sich bereits an der Musikhochschule in Luzern, ihre Pfade trennten sich aber zunächst, bevor sie über Umwege wieder zusammenfanden. Sie gründeten die Firma Soundcatering, um Scores für Film und Werbung zu komponieren, bemerkten jedoch bald, dass sich aus solchem „Business“ auch mehr, nämlich Kunst – „kompromisslos wild und ohne Konventionen“ – machen lässt.

 „Die Musikgeschichte neu definieren“, wie es auch in der Presseinfo heißt, ist dabei vielleicht etwas hoch gegriffen, aber im Rock-Pop-Habit begegnet uns die Klassik so frisch, wie sie zu ihren Zeiten war, nämlich ganz ohne pomadige Perücke. Aus der Werbebranche kommend, haben Chris und Phil es freilich drauf, wie man derlei entsprechend inszeniert. Sie treten in schwarzen Anzügen auf, gediegen „klassisch“ also. Doch das wirkt als die Pose, die es auch sein soll, wenn Chris das Cello lyrisch singen lässt, während mitten hinein Phils Saiten-Beben bricht. Der eine sitzt brav, der andere springt empor. Und da wären wir wieder bei der vielsagenden Presseinfo. Perücken also zuhause lassen und die Naturhaare zum Headbanging anfönen. Mozart, Lenny Kravitz, Bach, AC/DC, Guns’n’Roses und viele andere hätten wie wir ihre Freude daran.