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Vergnügliche Leichtigkeit

Mozartkonzert in St. Nikolai Vergnügliche Leichtigkeit

Große Komponisten ärgern sich in reiferen Meisterjahren gerne über ihre allerpopulärsten Stücke. Beethoven war da keine Ausnahme. Sein Septett op. 20, so etwas wie der Kammermusik-Hit seiner frühen Wiener Jahre, schien ihm überbewertet.

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Freude am Miteinander: Kammersolisten XXI.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Dem Publikum bereitet es aber mit seiner fröhlichen Frische, den pfiffigen Überraschungen, schwelgenden Melodien und pulsierenden Rhythmen seit 216 Jahren große Serenadenlust. Den Spielern, wenn sie denn den technischen Anforderungen gewachsen sind, allemal auch.

 Im Mozart-Konzert der Musikfreunde ist all das am Sonnabend in der gut besuchten Nikolaikirche der Fall. Das Publikum feiert zu Recht eine ausgesprochen elegante, munter fließende Aufführung durch Isabelle van Keulens feinsinnige Kammersolisten XXI. Da wird nicht überpointiert auf Krawall gebürstet, was nicht auf Krawall gebürstet ist. Stattdessen herrscht die reine Freude am Miteinander der sieben Instrumente in sechs herrlich abwechslungsreichen Sätzen – inklusive zauberhafter Soli der rasanten Stargeiger-Primaria, des noblen Cellos von Gustav Rivinius, der genießerischen Klarinette von Til Renner und des signalsetzenden Horns von NDR-Sinfoniker Jens Plücker.

 Van Keulen, zu Konzertbeginn in der Intonation noch nicht überall unangefochten in der Spur, hatte zuvor mit ihrer auffällig warmtönenden Viola-Kollegin Elisabeth Kufferath, dem herrlich selig auf seinem Instrument seufzenden Rivinius und Rüdiger Ludwig am Kontrabass eine Kammerversion von Gioacchino Rossinis C-Dur-Streichersinfonie präsentiert. Schon dort wächst dem Bass eine ungewohnt virtuose Rolle zu. Doch die größte Prüfung hat Mozart dem vermeintlich schwergängigen Streichinstrument auferlegt: In der eigentlich unscheinbaren Konzertarie Per questa bella mano kommentiert der aufgeregt jubilierende Kontrabass, was sich der Bariton dort über die Liebe zusammenreimt.

 Dass die Kammersolisten XXI der Musikfreunde-Idee gefolgt sind, die leicht schräge Arie aus dem Zauberflöten-Kontext von 1791 in der Bearbeitung von Andreas Tarkmann vom famosen Fagott Bence Bogányis „singen“ zu lassen und Rüdiger Ludwig zu einem geradezu fieberhaft bravourösen Solo herauszufordern, führt zu einer hübschen, wenn auch recht sparsam akklamierten Uraufführung.

 Aufgeklarte Nikolai-Akustik

 Karl Gieger, Hörpsychologie-Fachmann und Schallphysiker aus Bad Schwartau, hat sich nach den Erfolgen in der Ansgarkirche und auf Hof Brache in Wielen nun auf Anregung der Musikfreunde auch die Akustik in der Nikolaikirche vorgenommen. Seinem Ziel – einen klareren Transport des Direktschalls von den Instrumenten durch Auslöschung diffuser Hallüberlagerungen über Schallwandler zu erreichen – ist er spürbar nahe gekommen. Jedenfalls waren erstmals auch in der 14. Reihe des Mittelschiffs alle Spieler sogar an virtuosen Kulminationspunkten noch separat und präzise „von vorne“ zu orten. Und dass dabei weder die Lautstärke künstlich hochgeregelt wird, ein Pianissimo also flüsterleise bleibt, noch der natürliche Nachhall einer großen Kirche eliminiert wird, trägt zum organisch wirkenden Ergebnis bei. Denn das Auge hört ja mit.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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