2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Cello-Prophet: Leonard Elschenbroich

Musikfreunde Kiel Cello-Prophet: Leonard Elschenbroich

Leonard Elschenbroich möchte man den Bernstein-Award nach 2009 gleich noch einmal verleihen, wenn man ihn im Mozart-Konzert der Musikfreunde Kiel das Propheten-Gebet des Moses aus Rossinis alttestamentarischer Ägypten-Oper „singen“ hört.

Voriger Artikel
Die Tristesse eines Träumers
Nächster Artikel
Ohren auf bei Raritäten von Gounod

Der Cellist Leonard Elschenbroich glänzte in der gut besuchten Kieler Nikolaikirche und spielte Bach als Zugabe.

Quelle: Felix Broede

Kiel. Der 1985 in Frankfurt geborene Cellist schafft es, aus Paganinis c-Moll-Variationen (im Programmablauf überraschend an dritte Position gerückt) tatsächlich ein Belcanto-Stück zum Niederknien zu machen. Die sphärisch flirrenden Flageolett-Töne, die sonore Tiefe, das Farbenspiel der Mitte – alles ein Genuss. Von technischer Extremherausforderung spürt man wenig. Die Musik zählt. Schon in Vivaldis g-Moll-Concerto RV 416 entdeckt Elschenbroich eine reiche Palette an prächtig hingeschrubbten Artikulationsfinessen und Schattierungen.

Das mitgereiste Hungarian Chamber Orchestra erweist sich als präzise agierender, wohl- und sauber klingender Streicher-Organismus. Mozarts vieltraktiertes D-Dur-Divertimento KV 136 hat zu Beginn Schwung und Esprit. Souverän und resonanzreich wird da eine noble k.u.k.-Tradition gepflegt – eher wenig tangiert von Erkenntnissen historischer Aufführungspraxis, aber durchaus sprechend.

Die D-Dur-Streichersinfonie von Rossini kann man sicher aufregender, ihre Gewittermusik wahnwitziger spielen. Aber wie die Ungarn schließlich zum perfekt angepassten Partner von Elschenbroich werden, wenn sie mit ihm die neobarocken Neckereien, Querstände und Rhythmusexzesse in Strawinskys Suite italienne erkunden, das macht wirklich Freude.

Von Christian Strehk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3