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Mit großer Klasse am Fagott

Mozart-Konzert in St. Nikolai Mit großer Klasse am Fagott

Wenn die Musik des Namensgebers der Mozart-Konzerte angenehm warm temperiert und vergleichsweise breit ausmusiziert durch die Kieler Nikolai-Kirche tönt, dann bestreitet hier vermutlich das Kieler Kammerorchester sein traditionelles Gastspiel im Rahmen der Konzertreihe.

Kiel. Dirigent Imre Sallay und sein gut vorbereitetes Orchester bieten dem zahlreichen Publikum am Donnerstagabend ein durch und durch begeisterndes Musikerlebnis, überdies eines hoher Raritätenquote.

 Mozarts Divertimento D-Dur KV 205 zählt weniger zu den Seltenheiten. Doch der beseelt-lebensfrohe Tonfall, zu dem das Orchester bei seiner Interpretation findet, fängt die Leichtigkeit der Komposition stimmig ein und verleiht ihr Vitalität. Zwar wählt Sallay eher gemäßigte Tempi, trotzdem fehlt es der Musik nicht an Brio.

 Für die Aufführung des Fagottkonzerts F-Dur des Mannheimer Komponisten Franz Danzi darf man ruhig das Prädikat „spektakulär“ verwenden. Damit ist allerdings nicht das selten zu hörende Werk selbst gemeint, das durchaus mit vielen Reizen aufwartet, sondern die Durchdringung seines Soloparts durch Paulo Alexandre dos Santos Ferreira. Der junge portugiesische Fagottist spielt sein Instrument zunächst mit oboenhafter Anmut, holt im Allegro zarte Töne aus dem Nichts und zeigt sich besonders im Andante als großer Sänger auf dem Fagott, das so lyrisch und geschmeidig selten gespielt wird.

 Aber es mangelt dem derzeit noch in Lübeck studierenden Mittzwanziger zugleich keineswegs an musikalischem Bizeps. In den schnellen Momenten des Konzertes präsentiert er mühelos rasante Läufe und erlaubt sich im Eifer des Gefechts auch mal eine echte Rauheit. In toto kann man hier somit ein ebenso frisch wie reif wirkendes Talent erleben. Sallay und dem KKO ist dabei aufs Angenehmste anzumerken, dass sie sich dieser Klasse als würdig erweisen wollen.

 In Carl Maria von Webers Symphonie Nr. 1 C-Dur op. 19 dreht das Orchester noch einmal richtig auf, präsentiert das ebenfalls rare Kleinod mit viel Dampf und Mut zum Risiko. So verliert der Abend auch im Finale nichts an Schwung und die kleineren Ungenauigkeiten fallen darüber überhaupt nicht ins Gewicht. Ein starker Abend, der in entsprechenden Applaus mündet.

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