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Drei Temperamente

Mozartkonzert der Musikfreunde Kiel Drei Temperamente

Eine Rarität, die verblüfft, begeistert und eigentlich unbedingt ins Standardrepertoire aller Orchester gehört: Die D-Dur-Sinfonie des baskischen Genies Juan Crisóstomo de Arriaga bietet im Jahr 1824 so etwas wie die sonnendurchflutete, spanische Alternative zu Franz Schuberts Jugendsinfonien.

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Lam Tran Dinh ist ein engagierter Anwalt des Werks.

Quelle: Ladina Roth (Archiv)

Kiel. Die Kieler Philharmoniker erweisen sich unter der Leitung des hiesigen Opernchordirektors Lam Tran Dinh als engagierte Anwälte des Werks, lassen vor allem deren stürmisch drängende Temperamentsausbrüche mitreißend aufflammen. Auch die vielen süffigen Melodiezüge werden wohlklingend, wenn auch hier und da etwas stockend serviert.

 Wie Arriagas Gattungsbeitrag ist auch Mozarts D-Dur-Sinfonie KV 297 in Paris entstanden. Der Salzburger tüftelte 46 Jahre zuvor ungewohnt akribisch an einer üppig besetzten Partitur, um die Hörer in der Seine-Musikmetropole zu überrumpeln. Kiels Philharmoniker tappen in der gut besuchten Nikolaikirche zu Konzertbeginn prompt in die vordergründig pompöse Falle: Für ein wirklich differenziertes Werkrelief mangelt es an zartfühlenden Kontrasten. Erst im Finale wird die Klangrede geschmeidiger. Vielleicht fällt der Beifall des Publikums deshalb so viel knapper aus als später nach dem Arriaga.

 Mittendrin im pariserischen Mozart-Konzert der Musikfreunde Kiel kommt endlich einmal die größere Schwester der Violine, die Viola, zu Ehren. Hendrik Vornhusen, normalerweise Stimmführer der Philharmonischen Bratschen und Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters, ist der Solist im Potpourri des Mozart-Schülers Johann Nepomuk Hummel. Auch wenn man sich manchen „Auftritt“ der herbeizitierten Opernfiguren darin frecher vorstellen kann, macht das Solo im Kontext von Orchestertutti und Streichquintett-Begleitung mit schlankem, sauberem und klangschönem Ton adventliche Freude.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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