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Geboren aus guter Nachbarschaft

Multiple Voice Geboren aus guter Nachbarschaft

Ein Zufall ist es, der vor zehn Jahren dem Kieler A-cappella-Ensemble Multiple Voice auf die Welt geholfen hat. Maike Markwordt, aus dem Rheinland nach Kiel gezogen, hat hier schon lange vergeblich nach einer Gesangsgruppe gesucht. Am Sonnabend gibt es ein großes Jubiläumskonzert.

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Verfügen über ein Repertoire mit Liedern aus fünf Jahrhunderten, das für ein etwa vierstündiges Konzert reichen würde: (von links) Christian Mewes, Andrea Körtzinger, Maike Marckwordt, Frauke Pansegrau und Olaf Petersen.

Quelle: Daniela Vagt

Kiel. „Aus lauter Verzweiflung“, erinnert sich die Sopranistin, die schon als Vierjährige einem Kinderchor beigetreten war, habe sie immer wieder alte Kinderchorkassetten laut abgespielt. „Sag mal, singst Du eigentlich auch?“, fragt eines Tages ihre Nachbarin Andrea Körtzinger, damals als Altistin im Kieler Chor Jazzica aktiv. Die Geburtsstunde von Multiple Voice.

Andrea Körtzinger, sie singt heute Mezzosopran, kennt mit ihrem ehemaligen Kommilitonen Christian Mewes gleich noch einen passenden Bass. Der Tenor, Olaf Petersen, findet sich per Pinnwandeintrag auf der Internetseite „new in town“. Erste Probe am Valentinstag 2005, die Chemie stimmt im Vierer. Auf den Namen des Ensembles kommt Maike Markwordt bei der Beantwortung von Multiple-Choice-Fragen an der Uni.

 Im Dezember folgt gleich der erste große Auftritt, A-cappella-Party im Kieler Audimax. Zwei Jahre später wird aus dem Quartett ein Quintett: Andrea Körtzinger zieht es für ein Jahr in die USA, Altistin Frauke Pansegrau springt ein und bleibt, weil gleich das erste Stück zu fünft, Mad World von Tears for Fears, so prima klappt – Tenor Olaf hat sogar Tränen in den Augen, weil die drei Frauenstimmen allein so gut harmonieren. Noch heute treten die drei Damen als „Formation in der Formation“ (Marckwordt) dann und wann als Trio auf. Ein Männerduo gibt es noch nicht, weil es so wenige Duo-Stücke gibt.

 Gesanglich sind alle fünf Amateure. Olaf Petersen hatte während seines Trompetenstudiums in Berlin auch Gesangsunterricht, Christian Mewes ist reiner Autodidakt, die Frauen haben alle langjährige Chorerfahrung. Geprobt wird jeden Dienstag daheim bei Andrea Körtzinger, vor Konzerten auch mal extra vier Stunden am Stück. „A-cappella-Gesang ist viel Arbeit an der eigenen Stimme“, erklärt Maike Marckwordt, „viel mehr als sich jemand, der zum Beispiel in einer Band singt, vorstellen kann. Weil sich einfach die Stimmen mischen müssen.“

 „Wir singen alles, was uns musikalisch in die Quere kommt“, steht auf der Homepage von Mutiple Voice. Das Repertoire, das für ein vierstündiges Konzert reichen würde, erstreckt sich über fünf Jahrhunderte und speist sich aus Klassik, Jazz und Filmmusik ebenso wie aus Pop und Schlager. Auch bei A-cappella-Größen wie Kings Singers und Wise Guys wird geräubert. „Was der Mehrheit gefällt, wird genommen“, sagt Maike Marckwordt, Leonard Cohens Hallelujah etwa ist seit vier Jahren trotz des Einspruchs eines der beiden Herren eine feste Größe im Programm. „Manchmal gibt’s auch Stücke, die man nicht mehr hören kann, die fliegen dann wieder raus.“ Dem Klassiker Blue Moon erging es so.

 Gibt es besonders erinnerungswürdige Ereignisse in zehn Jahren Multiple Choice? „Auf jeden Fall die alljährlichen Kieler A-cappella-Partys“, sagt Maike Marckwordt, „und im Frühjahr haben wir uns ein Coaching bei Erik Sohn gegönnt, dem Coach der Wise Guys, das war Bombe!“ Und last but not least 2012 die Debüt-CD, produziert von Novalis-Schlagzeuger Hartwig Biereichel.

 Jubiläumskonzert 10 Jahre Multiple Voice: Sonnabend, 10. Oktober, 19 Uhr, Osterkirche Kiel (Westring/Paul-Fuß-Straße; Karten an der Abendkasse)

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