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Auf dem Weg in die Moderne

Museum Behnhaus Auf dem Weg in die Moderne

Die Ausstellung ist Teil des neuen deutsch-dänischen Museumsnetzwerkes „Nordmus“ und wurde vom Behnhaus und dem dänischen Fuglsang Kunstmuseum in Toreby auf Lolland konzipiert, wo sie bereits zu sehen war.

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Im Duktus der Zwanzigerjahre: Heinrich Eduard Linde-Walthers: „Kinder im Fenster“, undatiertes Gemälde aus der Sammlung des Behnhauses.

Quelle: Behnhaus

Lübeck. 34 Bilderpaare zeigen Gemeinsamkeiten und verschiedene Pfade, auf denen die Künstler beider Länder den Weg in die Moderne antraten. Die Werke stammen aus den Beständen des Behnhauses und des Museums in Toreby.

 Die Gemäldepaare sind in Themenbereiche gegliedert, die Palette reicht von Selbstporträts bis zu Landschaftsbildern. Erstaunlich ist die durchweg hohe Qualität der gezeigten Bilder. Wenn etwa in der Abteilung der Landschaftsbilder ein Frühwerk des Dänen Olaf Rude (1886-1957) neben einer pfälzischen Landschaft von Max Slevogt (1868-1932) hängt, dann sind das nicht nur zwei ausgezeichnete Bilder zweier großer Maler. Zu vergleichen sind die Bilder auch stilistisch: Slevogt war einer der großen deutschen Impressionisten, er malte die Landschaft der Pfalz immer wieder. Der zur Zeit der Entstehung seiner Landschaftsdarstellung noch sehr junge Olaf Rude stand hingegen noch ganz unter dem Eindruck des Realismus.

 Im Bereich der Moderne kontrastieren zum Beispiel die Bilder von Jais Nielsen (1885-1961) und Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938). Kirchner behauptete stets, nicht von künstlerischen Entwicklungen in Frankreich beeinflusst worden zu sein, seine Großstadtlandschaft kann trotz aller expressionistischen Attribute eine gewisse Verwandtschaft zur Malerei von Henri Matisse nicht verleugnen. Jais Nielsen malte seine Abfahrt! 1918 ganz im Stile des Kubismus – das Bild gilt als eine der Ikonen der Moderne in Dänemark.

 Es sind natürlich auch die Malerei-Schulen, die in der Schau eine Rolle spielen. Die Skagen-Schule in Dänemark etwa, prominent vertreten unter anderem durch Anna Ancher, deren wunderbare Komposition Zur Erntezeit impressionistische Einflüsse zeigt, aber doch eigenständig ist. Die Weimarer Schule der Freiluftmalerei ist am Beispiel von Karl Buchholz zu erkennen. Detailreiche Beobachtungen, wunderbare Darstellungen von Wetter und Licht – tatsächlich eine ganz eigene Schule.

 Herausragend unter den Porträts ist Harald Slott-Mollers Bildnis seiner Ehefrau aus dem Jahr 1887. Sein Bild stieß seinerzeit bei der akademisch orientierten Kritik auf wenig Gegenliebe. Dabei ist es eines der faszinierendsten Frauenbildnisse in der dänischen Kunst des späten 19. Jahrhunderts. Eine lebenskluge Frau mit Charakter blickt aus diesem Bild, die Details sind mit malerischer Meisterschaft dargestellt, der neutrale Hintergrund hebt die Gestalt aus dem Hier und Jetzt. Dieses Bild ist einer der Höhepunkte der „Begegnungen“ deutscher und dänischer Kunst im Behnhaus. Eine überaus sehenswerte Ausstellung.

 Museum Behnhaus/Drägerhaus, Lübeck, Königstraße 9. Noch bis 30. Dezember. Di-So 11-17 Uhr. Katalog 19,90 Euro.

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