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Unterhaltungsfreuden mit Untertönen

Musikfreunde-Matinee in der Gelehrtenschule Unterhaltungsfreuden mit Untertönen

Das Klaiber-Studio im Opernhaus, sonst traditionsgemäß Bühne für die sechs Kammermusik-Matineen der Musikfreunde Kiel, hat noch mehr Konkurrenz bekommen.

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Das Ensemble Xtuor erntete in der lichten Aula an der Feldstraße lang anhaltenden Beifall.

Quelle: Musikfreunde Kiel e.V.

Kiel. Da die Philharmoniker ohnehin ihren Orchesterprobenraum als Auftrittsort nicht sehr schätzen und die Kapazität mit 99 Plätzen mehrfach dem wachsenden Zustrom der Reihe nicht mehr gerecht wurde, verlagerte der Verein seine sonntäglichen High-Noon-Veranstaltungen zum Teil in die Ansgarkirche oder das Audimax-Foyer – und nun auch in die Aula der Kieler Gelehrtenschule an der Feldstraße.

 Der freundlich renovierte Raum, dem Hauptportal bequem rechts vorgelagert, eignet sich akustisch und atmosphärisch gut für transparentes, anschauliches und tragfähiges Musizieren, auch wenn Mitten und Bässe es dort etwas leichter zu haben scheinen als hohe Frequenzen. Das zeigte zur Saisoneröffnung die erbauliche Interpretation von Franz Schuberts umfangreichen F-Dur-Oktett durch das 2010 gegründete philharmonische Ensemble Xtuor.

 Mit den Bläsern Ishay Lantner (Klarinette), Victor Sokolov (Horn) und Christoph Risch (Fagott) trat das Streichquintett von Katharina Hoffmann und Irmtraud Kaiser (Violinen), Atsuko Matsuzaki (Viola), Volker Bohnsack (Violoncello) und Heiko Maschmann (Kontrabass) in lebendigen Austausch. Tatsächlich war es ein Vergnügen, dem gemischten Wiener Charme des Werkes zu folgen. Auch wurde das deutlich, was Selke Harten-Strehk in ihrer Moderation betont hatte: das viele Sätze prägende thematische Kernmotiv (vorab vorgeführt vom tonschön spielenden Klarinettisten Lantner) und die bedrohliche Unruhe, die unter der unterhaltenden Serenaden-Oberfläche im repressiven Metternich-Staat brodelte. Das hörte man in den Eintrübungen des schwelgerischen Adagio-Melodiestroms. So kroch auch das ferne Gewitter in der Einleitung des munter sprudelnden Finalsatzes unter die Haut.

 Zwar dürfen die Soli im Xtuor-Gewebe gerne noch etwas selbstbewusster musikantisch ausfallen. Gut aber war allemal, dass die temperamentvolle Primaria Hoffmann immer wieder antreibende Impulse gab und entsprechende Echos erntete. So kippte die „himmlische Länge“, die der kundige Bewunderer Robert Schumann in Schuberts Reifewerken ausmachte, nicht so leicht in irdische Längen.

Das Schubert-Oktett mit dem Ensemble Xtuor wird am 20. November um 17 Uhr in der Kirche Flemhude wiederholt.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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