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Das Wacken Open Air im Container

Muthesius Kunsthochschule Kiel Das Wacken Open Air im Container

Metalfans sind die drei zwar nicht; aber die Idee, für das Wacken Open Air ein Museum zu entwickeln, hat Johanna Kibbel, Nhu Huyenh und Albertine Mietusch, Studentinnen an der Muthesius Kunsthochschule, von Anfang an gereizt.

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Ihr Entwurf für ein Wacken Museum erhielt den ersten Preis: (v.li.) Albertine Mietusch, Johanna Kibbel, Nhu Huynh.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. „Das ist ja ein etwas anderes Museum“, sagt Johanna Kibbel; und Nhu Huynh gefiel der Gedanke, mit Containern zu arbeiten. Die haben die drei zu einem Würfel gestapelt, mit flexiblen Raumelementen, Freiräumen, halbtransparenten Glaswänden, fließenden Übergängen zwischen Innen und Außen. „Ein bisschen wie eine begehbare Vitrine“, sagt Albertine Mietusch.

 „Grenzenloses Wacken“ nennen die Studentinnen ihr Konzept – „weil Container die ganze Welt bereisen, und auch die Musik keine Grenzen kennt.“ Und haben damit gerade den ersten Preis (1500 Euro) im Wettbewerb um die besten Entwürfe für ein Wacken-Museum gewonnen. Ausgeschrieben mit einem Preisgeld von insgesamt 3000 Euro von den Wacken-Veranstaltern Holger Hübner und Thomas Jensen, und an der Muthesius Kunsthochschule betreut von Dagmar Schork, Professorin im Fachbereich Szenografie / Interior Design.

 Eine Art Museum hatten die Metaller im Kopf, Raum für die Stücke, die sich in 25 Jahren im Festival-Archiv angesammelt haben. Mobil, um es als Wanderausstellung auch anderswo präsentieren zu können. Treffpunkt auch für den musikalischen Nachwuchs und für das Dorf, das mit dem Metal-Festival und seinen alljährlich anreisenden zigtausend Fans lebt. „Wir möchten die Region, Kultur und den Tourismus hier fördern“, sagt Holger Hübner, „und wir glauben, dass die Idee eines Wacken Museums gut ankommen könnte.“ Acht Entwürfe sind an der Muthesius Kunsthochschule in dem offenen Wettbewerb entstanden, von der begehbaren Raumskulptur der Preisträgerinnen und der modifizierten Bühne von Charlotte van de Weyer bis zu dem Baukastenprinzip der dritten Preisträgerin Sarah Schmidt: „Das ist ein Gerät, das man flexibel nutzen kann“, sagt Dagmar Schork, die allen eingereichten Arbeiten etwas abgewinnen kann. „Vielleicht entwickelt sich aus der Grundidee ja ein neuer Museumstyp.“

 Damit spielen auch Johanna Kibbel, Nhu Huynh und Albertine Mietusch in ihrem Konzept. Monate lang haben die Drei recherchiert und dann getüftelt. Eine strenge Aufgabenteilung gab es nicht: „Wir haben alles gemeinsam gemacht“, sagen sie, „und die letzten sechs Wochen haben wir nur noch im PC-Raum verbracht.“ Zähneputzen inklusive. Da ist der „T-Shirt-Raum“ entstanden, der den Besucher zum Gestalter macht, die Idee, in einem der Container wechselnde Kunstobjekte wie die von Studenten der Uni Mainz entwickelten interaktiven Licht-Klang-Installation Resonate zu zeigen oder dem Zuschauer inmitten einer Rundum-Projektion, virtuell von jubelnden Fans umgeben, Bühnengefühle zu vermitteln. „Bei uns soll der Besucher zum Akteur werden“, sagt Nhu, „das Museum kommt quasi zum Betrachter.“

 Ob und welcher Entwurf realisiert wird, steht noch in den Sternen. „Wir planen mit einem Zeitraum von fünf Jahren“, sagt Hübner und hat erstmal die Teilnehmer des Wettbewerbs im September zum Brainstorming eingeladen. Zunächst aber kann das Festivalpublikum noch vor Ort in Wacken über den Publikumspreis für das beste Konzept abstimmen. Und Johanna, Nhu und Albertine fahren auf jeden Fall hin: „Das Feeling vor Ort wollen wir jetzt mal selbst erleben.“

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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