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Durchdacht und stimmig

NDR-Chor in St. Nikolai KIel Durchdacht und stimmig

In ihrer musikalischen Durchdachtheit und Stimmigkeit suchen die Programme des NDR Chors derzeit ihresgleichen. Philipp Ahmann und seine Sänger verbinden darin mühelos und balanciert Alte und Neue Musik, finden reizvolle Bezugspunkte und große gemeinsame Nenner. Am Freitag ist es William Shakespeare, dessen Ausstrahlung in die Welt der Musik der Chor in der St.-Nikolai-Kirche nachspürt.

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Glückliche Hand auch für gute Programme: NDR-Chordirektor Philipp Ahmann.

Quelle: Klaus Westermann | NDR

Kiel. Den Rang des im Verlauf des Wochenendes mehrfach aufgeführten Konzerts unterstreicht, dass es am Sonntag live aus der Hamburger Hauptkirche auf NDR Kultur übertragen wird. Und schon bei seiner Kieler Premiere zeigt sich, welche Probenarbeit hier im Vorwege geleistet wurde. Aus klanglicher Schwerelosigkeit formen sich Ralph Vaughan Williams’ Three Elizabethan Partsongs. Wunderbar luftig und doch konturiert erweisen sich die Miniaturen, in denen der Chor durch einen hochsensiblen Umgang mit Geschwindigkeit und Lautstärke überzeugt.

 Durch ihre musikalische Physis beeindrucken danach Frank Doves für das Paul McCreeds Gabrieli Consort komponierte Two Sonnets, eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit der Alten Musik, in der Worte in Laute und zurück verwandelt werden. Trotz ihres Abstraktionsniveaus bleiben die Werke sehr fassbar und werden vom NDR wiederum mit eindrucksvoller Präzision auch und gerade auf der Mikroebene umgesetzt. Zwischen diesen musikalischen Zeitsprüngen setzt das in das Konzert integrierte Ensemble Resonanz mit ursprünglich für Gambenconsort geschaffenen Stücken Orlando Gibbons’ zusätzlich orchestrale Akzente, die musikalisch direkt in die Shakespeare-Zeit führen. Auf modernen Instrumenten und von einem ansonsten am Puls der Gegenwart musizierenden Ensemble interpretiert, besticht diese Musik im Konzert durch große Klarheit und Transparenz. Mit solchen Zwischenspielen lässt sich der Bogen hervorragend hin zu Frank Martins modernen und vergleichsweise theatralisch anmutenden Songs of Ariel spannen, mit denen die erste Konzerthälfte wirkungsvoll ausklingt.

 Nach der Pause steht neben weiteren Werken von Vaughan Williams und Orlando Gibbons John Taveners Song for Athene auf dem Programm, dessen Weihrauchschwere Ahmann und der Chor kraftvoll und geerdet umsetzen. Für das i-Tüpfelchen sorgt schließlich die Uraufführung von Michael Langemanns Sonnets and Interludes, deren bizarre Schönheit Chor und Ensemble nun gemeinsam zum Leben erwecken. Großer, zugabengekrönter Applaus für einen Abend, an dem jeder Ton wie ein Geschenk wirkte.

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