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Zurück in aller Gediegenheit

Hamburger Kunsthalle wird wiedereröffnet Zurück in aller Gediegenheit

Die Kunst ist zurück: Ab morgen wird das Wiedereröffnungsmotto am Glockengießerwall in Hamburg eingelöst. Nach 17-monatiger Umbauzeit meldet sich das größte Museum der Stadt strahlend zurück und sorgte schon gestern beim Pressetermin für Andrang und Blitzlichtgewitter.

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Posieren auf der Treppe der Lichtwark-Galerie: Alexander und Dorit Otto, Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner (v. li.).

Quelle: Foto: dpa

Hamburg. Augenfälligste Neuerung der umfangreichen Modernisierung ist der wieder erschlossene historische Eingang mit der großen Freitreppe mit der sogenannten Lichtwark-Galerie. Dass sich das Museum nun zur Alster und zum Ungers-Kubus der Galerie der Gegenwart hin öffnet, macht angesichts der mehrspurigen Schneise zu Füßen des Gründungsbaus aus rotem Muschelkalk von 1919 durchaus Sinn. Das lange Zeit verschenkte prachtvolle spätklassizistischen Entree hat mit dem vormaligen engen und düsteren Garderobeneingang zur Hauptbahnhofseite nichts gemein.

 Aber das ist nur eine Facette der Modernisierung, die durch eine Sachspende in Höhe von 15 Millionen Euro der Stiftung des Hamburger Unternehmerpaares Dorit und Alexander Otto möglich wurde. Auch die Hansestadt ließ sich angesichts solcher mäzenatischen Größenordnung nicht lumpen und steuerte sieben Millionen Euro bei, dank derer das Gemälde- und Skulpturendepot komplett saniert werden konnte. „Dank“ war folglich das von Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner meist bemühte Wort, der sich sichtlich darüber freute, dass alles, wirklich alles, rechtzeitig zur Eröffnung am morgigen Sonnabend fertig geworden ist. Keine Selbstverständlichkeit an der Elbe und keine Selbstverständlich in einem Museum, in dem es vom Keller bis zum Dachstuhl keinen Raum gegeben habe, der laut Gaßner nicht umgearbeitet worden sei.

 Tatsächlich ist es eine Radikalkur der ehrwürdigen Hamburger Kunsthalle. Allerdings eine, die in aller gebotenen hanseatischen Gediegenheit vollzogen wurde. Wer die Treppe zu den Sammlungsräumen emporschreitet, wird nach der Säulen-Opulenz des 19. Jahrhunderts im hohen einstigen Makart-Saal sanft mit klassischer Moderne von Calder bis Nay geweckt. So eingestimmt geht es in die Säle der Alten Meister, die vor mildem Blau ihre Leuchtkraft entfalten. Der neue Bodenbelag aus geräucherter Eiche sorgt mit seinem warmen Kastanienbraun für den nötigen Kontrast. Die ehemals stoffbespannten Wände wurden in allen Sammlungsräumen durch Wandpaneelen ersetzt, de Farben nach Epochen unterschieden – von Blau über Salbeigrün oder Thorwaldsengelb für den Kuppelsaal. Bis auf besagtes Gelb wirkt die Farbwahl so delikat wie einfühlsam. Hamburgs große Romantiker Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge jedenfalls hätten dieses Salbeigrün sicher gemocht. „Was die Chronologie angeht, sind wir traditionell geblieben“, sagt Gaßner, der Experimente nicht eben schätzt und deshalb wohl auch Maillols überlebensgroße Nackte (Der Fluss) vom verkehrsumspülten Mittelstreifen am Glockengießerwall wieder ins sichere Museum geholt hat.

 Es gibt noch mehr Neues zu entdecken in dem Haus, das übersichtlicher wirkt und alle Gebäudeteile sinnvoll miteinander verbindet. „Kommt alle!“, lautet denn auch die Aufforderung von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz. Der Wonnemonat und Alexander Otto, der mit seinem Unternehmen ECE das Modernisierungsprojekt realisiert hat, macht es möglich. Bis zum 31. Mai gilt freier Eintritt.

www.hamburger-kunsthalle.de

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