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Den Menschen Raum geben

Nachwuchsfilmer Den Menschen Raum geben

Ein kleines katholisches Dorf, irgendwo in Baden-Württemberg, mittendrin eine schwarzafrikanische Flüchtlingsfamilie. Was heute eine alltägliche Situation ist, war vor drei Jahren ein Novum – und für Samuel Hölscher Grund genug, einen Dokumentarfilm mit der schwäbisch-afrikanischen Dorfgemeinschaft zu drehen.

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Ohne großes Equipment: Samuel Hölscher nutzt für die Dreharbeiten die Filmfunktion der Spiegelreflexkamera.

Quelle: Foto: Sven Tietgen

Bordesholm. Mit Erfolg: Für Like in Africa wurde der in Bordesholm aufgewachsene Filmstudent mit dem Deutschen Nachwuchsfilmpreis ausgezeichnet.

 „Mit viel Empathie, Respekt und wunderbarerweise auch mit Humor schildert das Filmteam das tägliche Leben, das Ankommen – und das Fremdbleiben“, urteilte die Jury und zeigte sich von der „sensiblen und unvoreingenommenen Erzählweise“ beeindruckt. Die Auszeichnung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beim weltweit größten Nachwuchsfilmfestival up-and-coming ist keine Kleinigkeit: Mehr als 3000 Filme aus aller Welt bewarben sich um den mit 2000 Euro dotierten Filmpreis. Bei der Verleihung war der 22-jährige Student der Filmhochschule Babelsberg gar nicht dabei. „Ich hatte soviel in der Uni zu tun und auch überhaupt nicht damit gerechnet“, erinnert sich der gebürtige Kieler.

 Den 15-minütigen Streifen hatte er mit Melanie Wälde realisiert, Drehbuchstudentin in Berlin und aufgewachsen in besagtem schwäbischen Dorf. Hölscher begleitete sie vor drei Jahren in ihr Heimatdorf, in dem gerade eine fünfköpfige Familie aus Gambia einquartiert wurde. Statt großkalibriger Filmkamera griff Samuel Hölscher bei den Dreharbeiten zur Spiegelreflexkamera und nutzte deren Filmfunktion. „Die Kamera sieht aus wie eine Fotokamera, wir wollten einen reinen Beobachtungsfilm machen. Uns war es dabei wichtig, den Menschen Raum zu geben“, erzählt Samuel Hölscher, der mit 14 Jahren im Rahmen eines Schulpraktikums beim NDR seinen ersten Film drehte. Als Hauptfigur suchte er sich einen Bibelprediger aus, der damals über Monate in Kiel am Hauptbahnhof und anderen öffentlichen Plätzen sprach. Den Fünf-Minuten-Streifen guckt er sich heute noch gern an. „Damals wurde mir auch klar, ich will Dokumentarfilme machen.“

 Mit 16 Jahren wechselte Samuel auf das Film-Gymnasium in Potsdam, nach dem Abitur bewarb er sich erfolgreich an der Filmhochschule Babelsberg. Im dritten Semester studiert er Cinematografie, es geht um Bildgestaltung, Kameraarbeit und Bildkomposition. Die Verleihung des Deutschen Nachwuchsfilmpreises bringt ihn auf jeden Fall voran, sagt er. Nicht nur deshalb, weil unter den bisherigen Gewinnern vier Preisträger den Oscar erhielten. Und neben dem Preisgeld kann sich der Filmer über eine Produzentenpatenschaft freuen. Zwei Jahre lang stehen ihm für neue Projekte Produzenten zur Seite, die mehrfach preisgekrönte Kinofilme realisierten.

 Momentan ist aber noch nichts geplant. „Aber irgendwann kommt die zündende Idee, und dann geht’s los“, sagt Hölscher, der jetzt aber in Bordesholm Ferien im Haus seiner Eltern macht. Öfter arbeitet er auch im Haus Narnia in Mühbrook – eine Einrichtung für Jungenarbeit, Gewaltpädagogik und Traumatherapie, die sein Vater Thomas Hölscher leitet. In Bordesholm wird Like in Africa bald zu sehen sein: Das von einem ehrenamtlichen Verein betriebene Savoykino will im Herbst den Film zeigen. Samuel Hölscher wird natürlich dabei sein.

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