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Von Fischen und Menschen

Nagelritz Von Fischen und Menschen

Dirk Langer alias Nagelritz, der als Seemann aus dem Ruhrpott mit vertonten Ringelnatz-Gedichten die sieben Bühnenmeere bereist, ging mit Verstärkung im Lutterbeker vor Anker.

Lutterbek. Uli Sobotta an Bass und Euphonium sowie Gabriel Lonquich am Schlagzeug hatten als maritime Forscher großen Anteil am Erfolg der Vorpremiere von „Nagelritz und die Fischforscher“ im proppenvollen Saal. Wie immer wickelt Nagelritz das Publikum in jede Menge Seemannsgarn, fischt skurrile Geschichten aus dem Meer der Fantasie, in dem die „Braxenmakrele“ oder die brustbehaarte „Hasselhoff-Krabbe“ ihr Wesen treiben. Genug Forschungsmaterial also für den Analytiker Uli und den Bastler Gabriel, der in grünen Gummistiefeln den Rhythmus lenkt, wenn er nicht gerade Tiere formt oder an Karten veranschaulicht, dass der Mensch vom Fisch abstammt.

Die Forscherfiguren sind wunderbar integriert in das Programm, was vor allem für den musikalischen Teil gilt. Nagelritz, sonst eher an den Tasten des Akkordeons zuhaus, greift jetzt vermehrt zur Gitarre und wird voluminös unterstützt vom Bass oder dem Tuba verwandten Euphonium und dem feinfühligen Taktschlag von Gabriel Lonquich. Da wird geschunkelt zu Ringelnatz‘ „Hafenkneipe“, da geht`s im Uptempo durch „Die Kartenlegerin“ und rasch auf Tiefgang in der wundervoll satt tönenden Ballade, die aus den „Seemannsgedanken übers Ersaufen“ entstanden ist. Tiefgründig, wehmütig, witzig, mal gar morbide und stets charmante Frechheiten gen Zuschauer absondernd, lenkt Nagelritz durch diese Forschungsreise, singt in teils hymnischen Pop-Balladen von Liebe und Meer und schickt zum herrlich geblödelten „An Land“ einen aufgeblasenen Fisch durch die Reihen. Ob der eigens erfundene „Froschman-Walk“ („Er macht dich schlank, er macht dich stoark“) zur neuen Trendsportart wird, sei hier bezweifelt. Kein Zweifel besteht hingegen, dass den dreien mit „Nagelritz und die Fischforscher“ ein großer Sprung  gelungen ist.

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Ein Artikel von
Kai-Peter Boysen

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