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Shooting-Star mit starken Supports

Namika in Kiel Shooting-Star mit starken Supports

Was unternimmt ein Newcomer mit einem erfolgreichen Debütalbum, wenn es um die konzertante Umsetzung geht? Im Fall von Namika fällt die Wahl auf die Vorprogramm-Variante, und das erweist sich im mit 450 Fans überraschend mäßig besuchten Max Nachttheater als sehr gute Idee.

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„Hallo, ich kann euch nicht hören, gerne lauter mitsingen!“: Sängerin Namika animiert ihr Publikum.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Im Max sind es sogar zwei Supports, jeder hat genau eine halbe Stunde. Der erste heißt Rola („wie Cola mit R“), ist in Ghana geboren, zählte als Rola Madirose Hinterbichler von 2005 bis zur Auflösung 2010 zum Frankfurter Hip-Hop-Frauen-Trio Sistanova, das 2007 mit Was ist los? einen bescheidenen Hit landen konnte. Rola hat eine gute Stimme, gute Songs mit Titeln wie Valium oder Kaffee und macht einen guten Job. Wie auch Bengio mit seinem sympathisch schnodderigen, selbstbewussten Sprechgesang mit sattem Punch. Wie Rola singt auch der Wahl-Hamburger Ben Giacomo Wortmann alias Bengio, der aus Fulda stammt, seine cleveren Lyrics zum Halbplayback, wagt aber dann doch noch eine feine Ballade zu Lukas Möllers E-Piano-Begleitung.

 Das Publikum honoriert die Support-Acts mit weit mehr als wohlwollendem Applaus. Aber natürlich wartet es auf die Sängerin, deren Name schon lange in meterhohen, weißen Blockbuchstaben mitten auf der Bühne steht. Faust aufs Auge passend startet der Shooting-Star noch um einiges saftiger als in der Studioversion mit N-A-M-I-K-A ins Set. Schon mal ein echtes Statement, die gewachsene Bühnenreife ist spürbar, und eine fähige Band wie die ihre kann nur souveränitätsfördernd wirken. „Kiel, seid ihr hellwach?“, fragt Namika vor dem zweiten Song, dem aufgekratzten Hellwach. Eine Standardfrage und eine rhetorische dazu, denn das sehr überwiegend junge und sehr überwiegend weibliche Publikum ist nicht nur hellwach: Es ist in Feierlaune.

 Das letzte Jahr sei für sie rasant verlaufen, erzählt Namika dem Publikum. Terminstress, „quasi von der Wohnung auf die Autobahn, aber solche Momente wie hier machen es wert“. Und man könne ja „auch mal die Stopptaste drücken“, leitet sie zum nächsten, gleichnamigen Song über. Nicht jeder ist gleich gut gelungen. Vor allem auch textlich starken wie Zehn vor vier – live erst jazzig, später rockig tendierend – oder dem autobiografisch geprägten Nador stehen schwächere wie Da wo immer das Licht brennt gegenüber. Der Namikas Karriere per Turbo beschleunigende Hit Lieblingsmensch, fast mit Ansage aufgespart als lautstark bejubeltes letztes Stück vor den beiden Zugaben Kompliziert und Gut so, ist wie in ähnlich gelagerten Fällen mit einem alles andere in den Schatten stellenden Erfolgs-Titel ein Problem. Die Eingängigkeit ist Segen und Fluch zugleich, die Abnutzung schreitet voran.

 Einen starken Eindruck hinterlässt in den 70 Minuten plus Zugaben das Vier-Songs-Akustikset mitten im Konzert. Oft ja als etwas plakativer Ausweis für künstlerische Reife stehend, belegt es doch die Song-Qualität von Coole Katze, Broke und Mein Film – allein Herzrasen fällt vielleicht etwas ab.

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