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Neue Heimat für das Landestheater

Schleswig Neue Heimat für das Landestheater

Bei so viel Einigkeit, befand selbst der leidgeprüfte Generalintendant, kann’s ja so verkehrt nicht sein: Schleswig soll ein multifunktionales Kulturhaus bekommen - auch für das Landestheater.

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Mehr als Varieté und Kabarett: Die „Heimat“ soll ab 2017 auch klassisches Theater bieten.

Quelle: bkm

Schleswig. Der Schleswiger Bürgermeister und die Chefs der vier Ratsfraktionen verfolgen unisono das Ziel, das ehemalige Bundeswehr-Mannschaftsheim „Heimat“ zu erwerben und daraus die langersehnte multifunktionale Spielstätte zu entwickeln. Ein ehrgeiziges Ziel.

 Denn Mitte 2017 muss die Bühnenreife erreicht sein. Dann läuft nach sechs Jahren der Vertrag für das Slesvighus aus. Und die Schleswiger Ratsvertreter von SPD, CDU, SSW und Grünen wollen nicht länger in die Übergangs-Spielstätte investieren: Jetzt hat man etwas Eigenes, zwar weit weg vom einstigen Theaterstandort am Lollfuss, im Entwicklungsgebiet Auf der Freiheit, aber dafür als Varietéstandort kulturbewährt ... und ausbaufähig. Schon schwärmt Grünen-Fraktionschef Johannes Thaysen von der „Rückkehr zum alten Glanz der Kulturstadt Schleswig“.

 Bis es am Rande der Stadt glänzt, muss freilich noch einiges getan werden. Aber, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, sind sich die Ratspolitiker und Bürgermeister Arthur Christiansen einig, noch ohne die Kosten zu kennen, die nach dem Kauf des Kulturhauses samt zwei Hektar Gelände (durch die Stadtwerke für 1 Million Euro) für Ausbau und Sanierung notwendig ist. Generalintendant Peter Grisebach formuliert schon mal einen kleinen Anforderungskatalog – und findet keinen Widerspruch: Eine ansteigende Zuschauertribüne, akustische Verbesserungen, eine Bühne mit entsprechender Technik in einem Bühnenturm, freie Zuwegung, auch für ausladende Deko-Teile, überhaupt eine verbesserte Infrastruktur auf dem in weiten Teilen noch brachliegenden Entwicklungsareal. Ein anspruchsvolles Paket. Wird es tatsächlich abgearbeitet, dann wäre dort mehr Theater möglich, als bisher im Slesvighus. 500 statt 300 Zuschauer könnten hier unterkommen – etwa so viele, wie im früheren Theater. Dann gibt es für Grisebach Anlass, vorsichtig optimistisch zu sein. Auch wenn er nicht verhehlen mag, „dass die Perspektive nicht meine erste Wahl ist, aber immerhin eine pragmatische Lösung. Das Gebäude hat Potenzial.“

 Aber es muss auch klappen mit dem Termin. Denn es gibt keine Sicherungsleine, wenn das Slesvighus gekündigt ist. Das Theater muss in Schleswig spielen können, das ist vertraglich zumindest bis 2019 geregelt und soll auch so bleiben, geben sich alle Politiker einig. Bürgermeister Christiansen will die Pläne und das gemeinsame Bekenntnis zum Landestheater am Freitag bei der Gesellschafterversammlung erläutern. Schleswigs Rats soll am Montag den Kauf der „Heimat“ beschließen.

 Das dürfte die Lage für die Landestheater-GmbH insgesamt entspannen – wenn die ehrgeizigen Pläne über eine städtische Tochtergesellschaft auch so umgesetzt werden können. Klar, dass die Stadt dabei auf die Hilfe von Kreis und Land hofft. Jene fünf Millionen Euro, die seinerzeit für die Lösung auf dem Hesterberg als städtischer Beitrag im Gespräch waren, sind kein Selbstgänger mehr, aber eine Art Obergrenze. Bei aller Einigkeit und Entschlossenheit klingt manche Pespektive noch vage – etwa, wie das Nebeneinander von dem beliebten Varietéangebot, Theater, aber auch anderen multifunktionalen Verwendungen bis hin zu Bällen und Schulfesten zu organisieren ist. Oder, wie schnellstmöglich das dringend notwendige Planungsrecht geschaffen und dann gezielt umgebaut werden kann. Auch wenn die rund 2500 qm Nettofläche mit großem und kleinen Theatersaal und Restaurant voll unterkellert sind, wird es mit dem Dach schon schwieriger: Es muss absehbar erhöht werden, um die Anforderungen für den Theaterbetrieb erfüllen zu können.

 Grisebach trauert dem früheren Theaterstandort Schleswig, auch der abgeschmetterten Hesterberg-Variante, schon ein wenig nach: Oper, Operette, Musical würden Auf der Freiheit wohl nicht aufzuführen sein. Aber er ist entschlossen, hier „möglichst viel möglich zu machen“. Ein Meilenstein für Schleswig, freute man sich im Rathaus. Und der Intendant, nicht verwöhnt von der Kommunalpolitik, sieht nun in der Wikingerstadt wenigstens alle Energie auf einen Punkt gerichtet. Sollte doch klappen. Wirklich bis 2017?

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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