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Miu und Band begeisterten im Kulturforum

Neue Soul-Stimme Miu und Band begeisterten im Kulturforum

„Mirror, mirror on the wall“, besingt Miu ihr Spiegelbild im Song „Mirror“. Dass sie dabei Vorbilder und Inspiratorinnen, keine Geringeren als Ella Fitzgerald, Lauryn Hill, Amy Winehouse und Adele, stimmlich recht gut widerspiegelt, bewies ihr Konzert mit siebenköpfiger Band im fast ausverkauften Kulturforum.

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Den Soul im Blut, die Stimme löst das Versprechen ein: Miu im Kulturforum Kiel.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Die Nacheiferinnen genannter Jazz- und Soul-Queens sind Legion. Doch die junge Hamburgerin, die sich auf deren Spuren ihre Sporen in New York verdiente, bevor sie ihren Job in einer Werbeagentur an den Nagel hängte und den Schritt auch auf deutsche Bühnen wagte, löst solche lorbeerigen Vergleiche durchaus ein. Gerade auch in der Ballade „Mirror“, dem vielschichtigsten Song des Abends, bei dem sich Miu und ihre Band keine Pause gönnen, denn es gilt, die aufgebaute Spannung zu halten.

Wie Miu in „Mirror“ und auch dem Titelsong ihres im September erschienenen Albums „Watercoloured Borderline“ die Timbres zwischen schwarzem Soul, silbrig glänzendem Funk und ganz unschuldig blondem Girl-Pop wechselt, ist mehr als beachtlich. Ebenso, dass sie alle Songs selbst geschrieben hat und von eigenen Erfahrungen statt den üblichen Seelenmaskeraden singt – in Singer/Songwriter-Tradition wie zum Beispiel bei „Inner Williamsburg“, einem Lied auf den New Yorker Stadtteil, der seit jeher als Musik- und Talentschmiede gilt und wo sie ihre Erweckung zur (Nu-)Soul-Sängerin erlebte. Genauso zugleich süffig soulig wie in bester Rhythm’n’Blues-Manier los marschierend kommt das wildfangige „Bitter Soul & Blue-Eyed Heart“ daher.

Miu hat den Nu Soul im Blut 

Dass hier eine den Soul in seiner neuen Gangart Nu Soul nicht nur mimt, sondern im Blut und vor allem auf den Stimmbändern hat, merkt man sofort, auch wenn die allzu agil musizierenden Mitglieder ihrer Band ihr klanglich den Rang ablaufen. Funky rocken Gitarre, E-Bass, Drums und Keyboard sowie die mit Saxofon, Trompete und Posaune höchst präsenten Bläser nicht nur in den fulminanten Soli und lassen die Feinheiten von Mius Stimme oft in der Klangverdichtung versinken. Könnte aber auch an der Abmischung im Kulturforum liegen, denn auf dem Studioalbum hört sich das deutlich differenzierter an.
 
Gleichwohl sind hier Begeisterte, um nicht zu sagen Beseelte am Werk, und denen verzeiht man solchen Übereifer als Sünde wie Tugend der Jugend. Und warum sollte nicht auch noch Reifungspotenzial bestehen bei einer so hoffnungsvollen Sängerin und ihrer Mannschaft? Dies ist jedenfalls ein sehr weiter erster Wurf, der im Publikum neben begeistertem Mitklatschen bei den Uptempos auch die Forderung nach zwei Zugaben auslöst. Selbstbespiegelung eingeschlossen im sanften „Miss Selfdestructive“, das hier höchst konstruktiv herüberkommt.

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