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Neuer Akt im Spar-Theater

Im Visier der Kommunalpolitiker: Schleswigs Stadtmuseum Neuer Akt im Spar-Theater

Schleswig hat sich kulturpolitisch in der jüngsten Zeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Jetzt schlägt die CDU-Ratsfraktion ein weiteres Kapitel auf.

Schleswig . Schleswig, ist das nicht diese Stadt, in der der Begriff „Kulturgut“ vergleichbar mit dem Unwort des Jahres ist? Gäbe es die Stiftung Landesmuseen auf der Gottorfer Schlossinsel nicht, sähe die kulturpolitische Bilanz tatsächlich trostlos aus. Das gute, alte Theater am Lollfuß wegen Einsturzgefahr abgerissen, der Fortbestand zermürbend lange auf der Kippe. Und nun? Dämmert golden eine neue „Heimat“ unter dem heimeligen Siebzigerjahre-Dach einer ehemaligen Bundeswehr-Kantine auf? Immerhin, besser als nichts – man bemüht sich redlich um Schadensbegrenzung, während an anderer Stelle schon wieder die Säge geschärft wird für den nächsten Einsatz. Und der heißt Stadtmuseum.

 Weil Schleswig mit einem Haushaltsdefizit von 4,9 Millionen Euro geschlagen ist, schaut man sich gern mal um, was so geht. Unter Führung der CDU-Fraktion, unterstützt vom SSW und sekundiert von Reizworten des Landesrechnungshofs, wurde erreicht, dass die in diesem Jahr anstehende Neubesetzung des Direktors mit einem Sperrvermerk versehen wurde. Holger Rüdel, der das Haus seit 30 Jahren leitet und ihm überregional Profil verliehen hat, geht im September in den Ruhestand. Gute Gelegenheit, um ordentlich Druck zu machen.

 Antje Wendt, Sprecherin der Stadt, bemüht sich auf Anfrage deutlich um Sachdienlichkeit. Ja, der Landesrechnungshof habe einige Bereiche in Schleswig geprüft, darunter auch das Stadtmuseum. Die Rede war von einem Einsparpotenzial von 230000 Euro pro Jahr. Also mehr als einem Drittel des Zuschussbedarfs von 600000 Euro. Abzuwarten, so Antje Wendt, seien nun die detaillierten Ergebnisse dieser Prüfung, die spätestens zum Ende des Quartals vorliegen sollen. „Aber“, sagt Antje Wendt, „festzuhalten ist jetzt schon, Museum ist eben nicht gleich Museum.“ Und man müsse schauen, wie überhaupt geprüft worden sei. Das Schleswiger Museum hat fünf Gebäude und neben der stadtgeschichtlichen Sammlung mit Fotoforum, Teddybärmuseum und historischer Druckerei unterschiedliche Themenfelder.

 Bevor der Landesrechnungshof nun en detail erklärt, wie das alles billiger, also mit weniger Personal als den aktuellen 9,5 Planstellen zu haben ist, könnte man aber in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses der Stadt am 28. Januar einen entscheidenden Schritt weiterkommen. Dann soll über einen Vorschlag abgestimmt werden, der die Wogen glätten und Kahlschlag verhindern könnte. Bis zum Herbst, heißt es in dem Papier, soll eine Lenkungsgruppe Vorschläge zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Museums unterbreiten.

 Gut zu hören, dass sich Widerstand gegen weitere Kulturverödung formiert hat. Nicht nur in den Reihen des Fördervereins des Museums, sondern auch in der SPD-Fraktion, die vor einem Kaputtsparen, vor „Aktionismus“ und vor „unausgegorenen Einzelmaßnahmen“ warnt. Wie in der Theaterfrage.

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