16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Neues Konzept für Museum Holstentor gesucht

Lübeck Neues Konzept für Museum Holstentor gesucht

Streckbank und Stadtmodell waren gestern. Lübeck sucht nach einem neuen Konzept für das Museum im Holstentor. Durch Exponate der Völkerkundesammlung könnte man Stadt- und Weltgeschichte zusammenführten, sagt der Chef der Lübecker Museen.

Voriger Artikel
Bereit für den Serien-Marathon?
Nächster Artikel
Schöne Leere auf der Insel

Das Holstentor ist ein bekanntes Lübecker Wahrzeichen. Nun sucht die Stadt nach einem neuen Konzept für das darin befindliche Museum.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Lübeck. Außen wehrhaft, innen lehrreich: Das Lübecker Holstentor ist das stolze Wahrzeichen der Hansestadt und nahezu in aller Welt bekannt. Das ehemalige Stadttor beherbergt seit 1935 ein Museum zur Stadtgeschichte, die bis ins 17. Jahrhundert wesentlich von der Rolle der Stadt im Ostseehandel als „Königin der Hanse“ bestimmt war. Nach der Eröffnung des Europäischen Hansemuseums in Lübeck vor knapp einem Jahr soll das Museum Holstentor eine neue Ausrichtung bekommen. In einer öffentlichen Tagung will die Kulturstiftung Lübeck mit Experten und Bürgern darüber diskutieren.

Eine erste Konzeptidee der Kulturstiftung als Trägerin der Lübecker Museen sieht vor, im Holstentor einen Teil der Völkerkundesammlung mit stadtgeschichtlichen Exponaten zu kombinieren. „Die Ausstellungsinhalte würden zeitlich da anknüpfen, wo das Hansemuseum aufhört, nämlich im 17. Jahrhundert, und bis ins 21. Jahrhundert reichen“, sagte der Geschäftsführende Direktor der Lübecker Museen, Hans Wißkirchen. „Wir würden dadurch Stadtgeschichte und Weltgeschichte zusammenführen“, sagte er.

Auch die Leiterin der Völkerkundesammlung, Brigitte Templin, sieht viele Bezüge zwischen beiden Themenkomplexen. „Die Stadt hat ihre Macht über Jahrhunderte aus der Internationalität ihrer Handelsverbindungen bezogen und auch viele Exponate der Völkerkundesammlung sind durch Handelsbeziehungen nach Lübeck gekommen“, sagte Templin.

Vor allem im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben Lübecker Kaufleute und Forschungsreisende von ihren Reisen Zeugnisse fremder Kulturen mitgebracht und sie der Stadt geschenkt. Darunter sind Unikate, wie die sogenannte Fang-Sammlung, die der Lübecker Botaniker und Ethnologe Günther Tessmann (1884-1969) Anfang des 20. Jahrhunderts von einer Expedition nach Zentralafrika mitbrachte. Tessmann hatte dort die Kultur des Volkes der Fang studiert.

Zum Bestand der Völkerkundesammlung gehören insgesamt mehr als 26 000 Objekte aus allen fünf Kontinenten. Der Ausstellungsbetrieb ist allerdings seit 2002 wegen der angespannten Haushaltslage der Hansestadt Lübeck eingestellt. Es gibt nur einmal im Jahr eine Themenausstellung in anderen Museen der Stadt.

Durch eine Kombination der beiden Museen könnte zumindest ein Teil der Völkerkundesammlung der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. „Das wäre schön, denn die Exponate waren doch ein Geschenk von Lübecker an die Bürger der Stadt“, sagte Templin.

Bei der öffentlichen Tagung am 10. und 11. März soll der Konzeptentwurf für das Museum Holstentor ausführlich vorgestellt werden. Historiker, Ethnologen und Museumsfachleute werden das Konzept bewerten, anschließend ist eine Diskussion mit dem Publikum geplant.

Das Museum hat nach Angaben der Hansestadt Lübeck jedes Jahr rund 60 000 Besucher. Das Tor selbst, das zwischen 1464 und 1478 als Teil einer größeren Befestigungsanlage erbaut wurde, gehört neben dem Kölner Dom und Schloss Neuschwanstein zu den wohl meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3