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Lebendige Landschaften

Zum 25. Mal: Niederdeutsche Theatertage in Molfsee Lebendige Landschaften

Niederdeutsches Theater, das heißt für die meisten: Lustspiel; und der Blick in das Programm der Niederdeutschen Theatertage, die vom 4. bis 12. Juni zum 25. Mal im Freilichtmuseum Molfsee stattfinden, bestätigt das: Minsch sien mutt de Minsch (Lübeck) von Günther Siegmund, 1970 bis 1979 Intendant des Hamburger Ohnsorg-Theaters, ist als Komödie ebenso ein Klassiker Wilfried Wroosts turbulenter Bruderzwist in Ein Mann mit Charakter (Elmshorn).

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Die NB Neumünster brachte den Konrad-Hansen-Preis-Gewinner 2015 „Tiet to Leven“ auf die Bühne. Die Inszenierung eröffnet jetzt die Theatertage.

Quelle: Anja Rüstmann (Archiv)

Kiel. Komisch bleibt es auch in den neueren Stücken wie der 2009 uraufgeführten Bauer-sucht-Frau-Variante Veer Handen för een Jidder (Rendsburg), der Broadway-Übersetzung von Autor Joe DiPietro Toeerst kümmt de Familie (Flensburg) oder Ingo Sax’ Krimikomödie Amaretto aus Kiel. Da muss das Eröffnungsstück der Niederdeutschen Bühne Neumünster schon als Ausnahme gelten: Tiet to Leven von Michael Wempner, der mit der Tragikomödie um Organspende und Liebeswirrwarr 2015 zum ersten Preisträger des Konrad-Hansen-Preises wurde.

 Wenn es nach Wolfgang Börnsen, ehemaliger Bundestagsabgeordneter aus Bönstrup und Vorsitzender des Niederdeutschen Bühnenvereins, ginge, dürfte es mehr davon geben: „Wir brauchen auch Problemstücke und ernste Themen auf der Bühne, um das Niederdeutsche zu mobilisieren.“ Mehr eigene neue Stücke wünscht er sich außerdem, schließlich sind bislang 70 Prozent der Produktionen Übersetzungen. Dabei soll der Konrad-Hansen-Preis, der zum Abschluss der Theatertage am 12. Juni vergeben wird, helfen.

 Insgesamt neun Inszenierungen stehen bis dahin in Molfsee auf dem Programm – und ein Auftritt von Schauspielerin Sabine Kaack, nach Peter Heinrich Brix zweite Botschafterin des Niederdeutschen, das die Unesco seit zwei Jahren zum immateriellen Weltkulturerbe zählt (6. Juni). „Molfsee ist das größte Niederdeutsche Theatertreffen in Norddeutschland“, sagt Börnsen. Grund genug, zum Jubiläum auch dessen Mitbegründer und langjährigen Chef des Freilichtmuseums Carl-Ingwer Johannsen zu ehren.

 Börnsen aber, der selbst gerade an einem Bühnenprojekt zum Lutherjahr (Lüüd, Luther un de Düwel) arbeitet, hat noch mehr sprechende Zahlen dabei: 15 Mitgliedsbühnen, zu denen jetzt die Jungen Lüüd ut Löwenstedt dazukommen, haben 2015 879 Vorstellungen vor 110376 Zuschauern gezeigt. Rund 75 bis 80 Premieren kommen jährlich auf die Bühne. „Wir haben eine lebendige Theaterlandschaft“, sagt Börnsen. Dafür spricht auch eine rege Kindertheaterszene, der das Festival einen eigenen Vormittag widmet. Zehn Gruppen aus ganz Schleswig-Holstein stellen sich dabei vor, etliche davon Schultheater – da scheint sich zu bewähren, dass das Land das Niederdeutsche an 27 Schulen zum Pflichtfach gemacht hat.

 

 Das Programm in Molfsee:

 Eröffnung, 4. Juni, 18.30 Uhr: „Tiet to leven“ (NB Neumünster)

 Lust un Leev in’ Kloster (NB Süsel), 5. Juni, 18.30 Uhr

 Över’t Land in Sleswig-Holsteen. Lesung mit Sabine Kaack und Ben Heuer (Mundharmonika). 6. Juni, 19 Uhr

 Minsch sien mutt de Minsch (NB Lübeck), 7. Juni, 19 Uhr

 Amaretto (NB Kiel), 8. Juni, 19 Uhr

 Een Mann mit Charakter (NB Elmshorn), 9. Juni, 19 Uhr

 Veer Handen för een Jidder (NB Rendsburg), 10. Juni, 19 Uhr

 Toeerst kümmt de Familie (NB Flensburg), 11. Juni, 18.30 Uhr

 Verleeft, Verlööft, Verloorn (NB Itzehoe), 12. Juni, 18.30 Uhr.

 Kindertheaterfestival am 10. Juni, 9 bis 14 Uhr

 Winkelscheune im Freilichtmuseum Molfsee. Karten bei Streiber, Tel. 0431/91416 und im Freilichtmuseum Molfsee, Tel. 0431/659660. www.buehnenbund.com.

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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