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25. Jazz Baltica als Dancenight

Niendorf 25. Jazz Baltica als Dancenight

Wer am Sonntagnachmittag in der großen Niendorfer Konzerthalle die Augen schließt, dem können die alten Zeiten von Jazz Baltica in den Sinn kommen. Zwar stehen hier keine blutjungen Musikhochschulabsolventen aus New York auf der Bühne, die in Salzau zeitweilig zu den Stammgästen zählten.

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Wer am Sonntagnachmittag in der großen Niendorfer Konzerthalle die Augen schließt, dem können die alten Zeiten von Jazz Baltica in den Sinn kommen.

Quelle: Axel Nickolaus

Niendorf. Aber im Endergebnis wirkt die Musik, die der Schlagzeuger Wolfgang Haffner mit seinem deutsch-skandinavischen Quintett spielt, wie eine verspätete Antwort auf den amerikanischen Neotraditionalismus der Neunzigerjahre. Da wird ein Standard wie Miles Davis’ So What noch einmal sorgfältig nachpoliert, klingt ansonsten aber wie eine Lektion aus dem Geschichtsbuch des Jazz. Wer ihn noch einmal My Funny Valentine spielen hören wolle, könne sich ja die Platte auflegen, ließ Davis seine enttäuschten Fans wissen, als er sich seinerzeit zu neuen Ufern aufmachte. Heute kann man sich stattdessen auch Wolfgang Haffners Version der Ballade anhören, die ebenfalls museumsreif erscheint. Trotz des wenig originellen Musikkonzepts und der aalglatten Moderation des Drummers sorgen Solisten wie der Saxofonist Jukka Perko oder der Vibrafonist Christopher Dell während des einstündigen Auftritts für schöne Momente.

 Gabriel Coburgers „Quintett Jean Paul“, das den Sonntagabend eröffnet, wäre hinsichtlich seines Bekanntheitsgrades ein Fall für ein Nebenkonzert zu später Stunde gewesen. Während der Hamburger Saxofonist mit einer Inbrunst spielt, die an den Jazz der Sechzigerjahre denken lässt, improvisiert Pianist und Keyboarder Matthäus Winnitzki oft in Richtung Fusion, Moritz Baumgärtner präsentiert derweil an den Drums hypernervöse Virtuosität. Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Quintetts ist jedoch Sänger Ken Norris, der mit seinem sanften Bariton oft Coburgers kerniges Tenorsaxofon umsummt. Sich darauf einzulassen, ist durchaus fordernd, zumal Norris kontinuierlich zwischen wortlosem und -reichem Gesang wechselt.

 Der relaxt groovende 4-to-the-floor-Sound, mit dem das Jazzfestival dann ins Finale geht, schafft einen willkommenen Ausgleich. Zwar haben sich viele Besucher bereits auf den Heimweg gemacht, doch zu den versierten Rhythmusduellen von Perkussionist Erik Holm, DJ Joe Claussell und dem allerdings nicht immer gut vernehmbaren Drummer Andreas Bye lässt sich auch in der halbvollen Halle schön Kopfnicken und Fußwippen. Neben dem an allen möglichen Tasten angenehm besessen agierenden Wesseltoft selbst sorgt vor allem Trompeter Erik Truffaz mit vollen und zugleich schwerelos wirkenden Improvisationen dafür, dass die Musik nicht nur tanzbar, sondern auch im Sitzen hörenswert bleibt.

 Nichtsdestotrotz hätte der von viel Applaus begleitete Ausklang der 25. Jazz Baltica ebenso gut als Dancenight stattfinden können. Auch Festivalleiter Nils Landgren fällt dies auf, und er stellt genau dies für das nächste Jahr in Aussicht: „Dann müsst ihr aber auch alle wiederkommen!“ Nach einem an Sonne und Publikumszuspruch reichen Wochenende dürfte sich dies von selbst verstehen.

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