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Passionierte Kieler Knaben

Nikolaikirche Passionierte Kieler Knaben

Musik als Anstoß zum Nachdenken über die Passionszeit hatte Hans-Christian Henkel beim Konzert des Kieler Knabenchors den Zuhörern in der bestens besetzten Nikolaikirche angekündigt. Der knapp vierzigköpfige Chor hielt das Versprechen des Dirigenten.

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Voll konzentriert: Mitglieder des Kieler Knabenchores.

Quelle: Beate König

Kiel. Mit kräftigem Applaus dankte das Publikum dem jungen Ensemble für eine gesanglich wie interpretatorisch bemerkenswert reife Leistung.

 Henkel hatte sich bei der Interpretation der vielleicht etwas zu einförmigen, stets in meditativ ruhigem Grundduktus vorzutragenden Stücken aus vier Jahrhunderten auf das intensive Ausleben von Extremen fokussiert. Mit klaren Fingerzeigen spornte er seinen sehr beweglichen Chor zu klanglichen Höchstleistungen zwischen intensiver Dichte und ätherischer Transparenz, hoher Konzentration bei gleichzeitiger Entspannung an. Der Effekt im Publikum: So mancher hielt vor lauter Spannung den Atem an, bis der Abschlusston verklungen war.

 Purer Genuss, dabei intelligent durchdacht war die gewählte Spannbreite zwischen leidenschaftlich schmerzvollem Aufbäumen und resigniertem Zurückfallen, mit der die Sänger Hugo Distlers Wie der Hirsch schreit erstaunlich reif ausreizten. Robert Schumanns Satz Der träumende See, der nur von den älteren Sängern vorgetragen wurde, war ein Paradestück in schön klingendem Edelton. Technisch sauber und im Text transparent, gestalteten die jungen Herren das vierstimmige Stück zum akustischen Kleinod.

 Die intensive Dichte der Sätze Locus iste von Anton Bruckner und des Salve Regina von Josef Rheinberger lässt sich sicher auch darauf zurückführen, dass beide ganz oben auf der gut gepflegten Hitliste der oft gesungenen Stücke im Knabenchor zählen.

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