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Plattdeutscher Poetry-Slam begeistert

Landtag Kiel Plattdeutscher Poetry-Slam begeistert

Eine wortgewaltige Lanze bricht Sven Kamin für die plattdeutsche Sprache, wenn er, der „nicht native Speaker“, aber „nordish by nature“, im Plenum des schleswig-holsteinischen Landtags ausholt zu einer Suada des Nein-Sagens gegen Ausgrenzung von (nicht nur plattdeutschen) Minderheiten.

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Sven Kamin bricht beim plattdeutschen Poetry-Slam im Landtag Kiel eine Lanze für Minderheiten.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Poetisch platt Snacken ist das im Land zwischen den Meeren. Statistiken zeigen, dass gut 80 Prozent verstehen, was hier in Poesie und Slam gebracht wird. Nur „spreken“ kann das wohl niemand so gut wie Kamin, der Zugereiste aus Bremen. „Do buten geiht un bruust en Storm över’t Land“, wenn er, der den Slang und Sieg beim plattdütsch Poetry Slam im Landtag davonträgt, sich aufschwingt, den „Dans op de Deel“ in einer Tour de force des Wortes und „de fresische Party-Tour“ abzufeiern.

Gerrit Hoß beim plattdeutschen Poetry-Slam im Landtag.

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Man sagt der dem Plattdeutschen verwandten englischen Sprache nach, dass sie besser als das harte Hochdeutsche für Lieder geeignet sei. Helge Albrecht, Sparring-Partner von Kamin „in’t Finale“, macht in „Kuddels Kuddelmuddel“ daraus geradezu plattdeutsche Sprachmusik, eine Fuge, einen Kanon, der an der „Kuddelbuddel“ sich nicht müde tränkt und trinkt. Auch bis ins Halbfinale kommt die Angelner Abiturientin Jacqueline Lindemeyer mit ihrem Nachdenken über „Schrödingers Katt“. Jene diente dem österreichischen Physiker einst als Beispiel für die quantenmechanische Unschärferelation: Steilvorlage für die erst 20-jährige Dichterin, die daraus eine surreale Geschichte gewinnt, ein bisschen Dada auch, wie Plattdütsch eben ist.

Very „nordish by nature“ ist auch Matthias Stührwoldt aus Stolpe, Kreis Plön. Der schriftstellende Bauer weiß, wo Bartel das Bier herholt, immer verfügbar, immer berauschend für Wort und Erzählen vom heimischen Hof. Wer denkt, dass das bloß Heimaterzählen ist, liegt falsch. Mann wie „Fru“ ist hier auf äußerst weltläufigem Wort-Terrain. Geschenkt, dass Landtagspräsident Klaus Schlie sich als „non-native“ outet, Moderator Björn Högsdal, schleswig-holsteinische Slam-Ikone, versucht es erst gar nicht. Auch die Nicht-Platt-Snacker wissen, welches poetische Potenzial in der Sprache von der Küste steckt.

Jan Graf beweist das bis ins Halbfinale. Warum man „Centrum“ nicht mit „Z“ schreibt, ist ihm unerfindlich, schließlich kommt er aus Celle, aber sein „Vadder Carl“ war nie „Graf Zahl“. Und in „Renseborg“ war auch nie – oder gerade jetzt – der „Isegrim“ gegenwärtig, wie Ines Barber vermutet.

Platt kann poetisch, mehr vielleicht noch als Hochdeutsch. Im Landtag – „Plattdütsch is’ jo jetzt ok Amtssprok“ – wird man das demnächst auch in der hoffentlich poetisch inspirierten Politik hören.

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