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Roos singt, Trepper trinkt

Schlagergeschichte(n) im Kieler Schloss Roos singt, Trepper trinkt

Hossa! Hossa! Höchst unterhaltsam führten die stimmlich bestens disponierte Schlager-Ikone Mary Roos und der bisweilen brachial-humorige Duisburger Kabarettist Wolfgang Trepper in „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ im nahezu ausverkauften Kieler Schloss durch die Geschichte des deutschen Schlagers.

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Dieses Duo sorgt für Spannung: Mary Roos und Wolfgang Trepper im Kieler Schloss.

Quelle: Manuel Weber: mwe

Kiel. Und der bleibt herrlich ambivalent. Einerseits kann fast jeder Zuschauer im Saal selbst die furchtbarste Schnulze mitsingen, lässt sich andererseits aber auch gern vor Augen führen, was für ein „sinnfreies Gedudel“ er da locker über die Lippen bringt. Für derlei Analyse ist Kabarettist und Schlagerfachmann Wolfgang Trepper zuständig, der in „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ viel Material aus seinen Soloprogrammen verwendet.

 Den musikalischen Teil des Programms bestreitet Mary Roos, laut Trepper „die Helene Fischer der Bronzezeit“. Doch gerade weil ihr stilvoller Auftritt so gar nichts von einer „alten Schachtel“ hat (Trepper: „Klatschen Sie, es kann jedes Mal das letzte Mal sein“), kann sich ihr lästerndes Pendant auch die derbsten Witze erlauben.

 Roos singt, Trepper trinkt. Schon beim ersten Titel – „Wie lange woll’n Sie das noch machen?“ – greift Trepper angewidert zum ersten Jägermeister, weitere sollen folgen. „Schönen Gruß vom Niveau! Sie seh’n sich ja so selten“, kontert die Sängerin den Trinkangriff, nachdem sie sich zu ihrem Bühnenpartner ans Nierentischchen gesellt hat. Hier plaudert sie ein wenig aus dem Nähkästchen, erzählt, dass der „ZDF-Hitparaden“-Moderator Dieter-Thomas Heck backstage immer ein Fläschchen Jägermeister für sich und die Künstler parat hatte, dass Bernhard Brink auf der gemeinsamen Schlagertournee häufig die „Tagesabschnittsgefährtinnen“ wechselte und dass Dieter Bohlen so „speziell“ sei, dass er sie schon mal an Heiligabend ins Studio beorderte.

 Für ihren Bohlen-Titel Nur mit Dir bin ich stark („You`re my heart, you`re my soul“) holt sie sich Paul aus dem Publikum zum Tanzen auf die Bühne. Der zieht es aber sehr zur Heiterkeit des Publikums vor, das angebotene Bier mit Trepper am Nierentischchen einzunehmen. Ein amüsantes Tauziehen beginnt, das die Bohlensche Komposition vergessen macht.

 Mary Roos skizziert stimmlich präsent mit Live-Band und im wechselnden Outfit ihren musikalischen Werdegang, darunter ihre Grand Prix d‘Eurovision-Beiträge Nur die Liebe lässt uns leben (1972, Platz 3) und Aufrecht geh’n (1984, Platz 13) sowie das schöne So leb dein Leben (Cover von Frank Sinatras My Way).

 In seinen Solomomenten reist Wolfgang Trepper als Chronist durch die (Schlager-) Geschichte, erinnert Historisches und Privates, teilt die Erinnerungen mit dem Publikum, huldigt Udo Jürgens („Stil, Geist, Charisma, Haltung“) und zerlegt in herrlichen Hasstiraden die Gildos, Wendlers, Borgs und Fischers der Schlagerwelt.

 Das Programm ist ein Erfolgsmodell, weil das Duo Spannung erzeugt. Nach der Pause fehlen sechs Zuschauer, Trepper hatte auf zehn gewettet. Der Rest bekundet abschließend Standing Ovations. Ein Wiederholungstermin am 3. Mai 2017 am selben Ort steht schon fest.

 Ach ja, „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ soll sich übrigens Heino vor Auftritten gewünscht haben.

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Ein Artikel von
Kai-Peter Boysen

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