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Suche nach Glanz und Glück

„Kasimir und Karoline“ im Schauspielhaus Suche nach Glanz und Glück

Kasimir hat seinen Job als Chauffeur verloren und sorgt sich um die Zukunft, doch seine Verlobte Karoline hat dafür keine Ohren. Viel zu gern taucht sie ein in das quirlige Treiben auf dem Oktoberfest. Und während sie auf ihrem Recht beharrt, sich zu vergnügen, gerät die Beziehung des Paares gewaltig in Schieflage.

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Emotionale Achterbahnfahrt in Volksfestatmosphäre (v.li.): Dramaturg Jens Paulsen mit Regisseurin Annette Pullen, Iris Kraft (Bühnenbild) und Barbara Aigner (Kostüme).

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Ödön von Horvaths 1932 uraufgeführtes Volksstück Kasimir und Karoline erzählt von der Suche nach dem Glück in wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeiten. Vor dem Hintergrund von Wirtschaftskrise und aufkeimendem Nationalsozialismus ist die Sehnsucht nach Zerstreuung und Amüsement beinahe genauso groß wie der Wunsch der Kleinen Leute nach einem besseren Leben.

 Die Suche nach Glanz und Glück ist ein zentrale Thema der Inszenierung von Annette Pullen, die eine fiktive Bühnenzeit gefunden hat, ohne sich komplett von der historischen Vorlage zu lösen. „Wir wollen vor allem eine Atmosphäre schaffen, in der die emotionale Achterbahnfahrt der Figuren deutlich wird.“ Mit ihrem eingespielten Team aus Barbara Aigner (Kostüme) und Iris Kraft (Bühne) wird sie ein Oktoberfest zaubern, „in dem es keine Bierzelte mit 5000 trinkenden Leuten gibt.“ Eine Drehbühne soll helfen, in der episodenhaft angelegten Szenenfolge die Gleichzeitigkeit von Ereignissen zu suggerieren und damit das pralle Leben voller Höhen und Tiefen zu zeigen – ganz so, wie es sich auf einem Volksfest präsentiert. Purer Naturalismus sei hier jedoch beileibe nicht gefragt, so Dramaturg Jens Paulsen: „In der Zeichnung der Figuren und ihrer stilisierten Sprache liegt eine große Leistung Horvaths.“

 Für Annette Pullen liegt der Reiz des Stückes darin, „dass es eine ganze Welt erzählt.“ Dabei steht das Oktoberfest als Sinnbild für Volksfeste schlechthin. „Auf so einem Rummel treffen Kleinbürger, die sich einen schönen Tag machen wollen, auf auf das reiche Großbürgertum genauso wie auf Kleinkriminelle und Vertreter der Halbwelt.“ Und alle befinden sich in einer Art Ausnahmesituation, denn der Rummel macht für Stunden (beinahe) alle gleich.

 Aus Kasimirs Sicht ist das Volksfest ein denkbar ungünstiger Ort, um seine Beziehung zu verhandeln. Denn hier kostet alles Geld, das er nicht hat. Entsprechend sind seine Bemühungen zum Scheitern verurteilt: Aus einer Mischung aus unbedingtem Vergnügungswillen und Trotz bandelt Karoline mit anderen an und am Ende hat jeder einen neuen Partner, mit dem er vermutlich auch nicht glücklich wird. Die Regisseurin sieht die beiden Hauptfiguren als „Liebende, deren Beziehung an den gesellschaftlichen Umständen zerbricht.“ In ihrer Sympathielenkung will sie vage bleiben und wäre froh, „wenn das Publikum sich immer wieder umentscheidet.“ Teilweise wird es auf der Bühne ganz schön hart zur Sache gehen, etwa wenn Frauen zu Objekten gemacht werden, die sich den Blicken eines voyeuristischen (Bühnen)Publikums aussetzen. „Dennoch handelt es sich bei dem Stück nicht um eine große, tragische Geschichte.“ Vielmehr sei es eine Reise in eine ungewöhnliche Welt, die mit viel Optimismus angetreten wird. „Schließlich geht es um Sehnsucht – mit all ihren positiven und negativen Begleiterscheinungen.“

 Schauspielhaus Kiel. Premieren Freitag + Sonnabend, 20 Uhr. Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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