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Ohrmuschel Elbphilharmonie

"Weiße Haut" eingebaut Ohrmuschel Elbphilharmonie

Pünktliche Innovation: Die "weiße Haut", die im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie für optimale Akustik sorgen soll, ist fristgerecht montiert worden. Bei einem Besichtigungstermin am Mittwochmorgen präsentierten die Vertragspartner die 6000 Quadratmeter große Wandverkleidung aus 10000 Gipspaneelen mit einer Million eingefrästen Einbuchtungen.

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Die Elbphilharmonie soll in knapp einem Jahr eröffnet werden.

Quelle: Axel Heimken

Hamburg. „Architektur ist gebauter Klang – und das ist hier so beeindruckend, dass es der Musik fast nicht mehr bedarf“, sagt Barbara Kisseler und entschuldigt den letzten Halbsatz sofort beim neben ihr stehenden Intendanten Christoph Lieben-Seutter. Die Kultursenatorin, die in Sachen Elbphilharmonie Hamburg gerne „das eine oder andere Jahr erspart hätte“, steht dort, wo ab Januar 2017 andere die Erste Geige spielen.

Hinter ihr steigt das relativ kurze Parterreparkett an. Um sie herum aber schrauben sich erstaunlich steil die Ränge des tatsächlich erstaunlich innovativen Konzertsaales hinauf – nicht exakt rund und schon gar nicht eckig, sondern organisch unberechenbar wie Windungen in einer riesigen Muschel umschließen sie die Bühne.

Zum Stichwort Muschel passt die innovative „weiße Haut“, ein Begriff, den das anwesende Schweizer Architektenduo Jacques Herzog und Pierre de Meuron eigentlich nicht gerne hört. Als „mineralisch“ und einem „Krustentier“ abgeschaut bezeichnet Herzog vielmehr die 10000, durchschnittlich 70 Kilogramm schweren Platten, die mit besonders hart verdichtetem Gips sämtliche Flächen an Wänden, Balkonen und der gewölbten Decke gestalten. Strahlend weiß im Licht und betongrau im Schatten bestimmen die nirgends gleichen Unikate die kühle Optik. Gut, dass im Laufe der nächsten beiden Monate das Parkett und das Gestühl dem noch hölzerne Wärme entgegensetzen werden.

Circa eine Million unterschiedlich tief gefräste Mulden in den Platten sollen für die notwendige Schallbrechung sorgen, die das berühmte Akustikbüro Nagata Acoustics von Yasuhisa Toyota errechnet hat. Die extrem unruhige Oberfläche erreicht so die Reflektionsstreuung, die in alten Akustikwunder-Sälen wie dem Wiener Musikverein durch das üppige ornamentale Dekor erzielt wurde.

Wie Flimmerhärchen im Ohr des Menschen werden nachher die 2100 Zuschauer in dieser Muschel hocken, alle nur maximal 30 Meter vom Dirigenten entfernt, viele von ihnen ungewöhnlich hoch über dem Orchester – bis zu rund 18 Metern. Das „Gefäß für Musik“ (Lieben-Seutter) haben die Stararchitekten der Allianz-Arena München, des Nationalstadions von Peking oder der Tate modern in London bewusst nicht nach Vorbild der Scharounschen „Weinterassen“ in der Berliner Philharmonie gebaut, erläutert Herzog, sondern im Bemühen, drei Prinzipien in den Zylinder (50 Meter lang, 25 hoch, 40 breit) zu packen: erstens die „natürliche Topographie“ des griechischen Theaters von Delphi, zweitens als ein „Stadion, in dem die Menschen möglichst nah am Geschehen sein sollen“ und drittens als eine Art Zelt. Den in 15 Meter Höhe eingehängten Riesenreflektor an der Decke sieht Herzog als landendes „Raumschiff“ oder sogar als „Baldachin“. Unter letzterem stelle sich eine „feierliche Geborgenheit“ ein.

Eher erleichtert als feierlich wirkte Beate Cornils, Projektleiterin der Baufirma Hochtief. Die Montage der schweren Platten sei bei einer Maßtoleranz von nur fünf Millimetern und dem Streben nach einem einheitlichen Fugenbild extrem schwierig gewesen. Nach dem „Tanz mit den Gerüsten“ sei aber jetzt endlich die Orgel dran.

www.elbphilharmonie.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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