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Welche Arie von Puccini ist Ihr Favorit?

Online-Voting Welche Arie von Puccini ist Ihr Favorit?

Auf dem Kieler Rathausplatz hat am 15. Juli die diesjährige Sommeroper des Theaters Kiel Premiere: Giacomo Puccinis letztes Werk „Turandot“. Grund genug, über die magische Wirkung von Puccinis Arien nachzudenken und mit einem Online-Voting zur Abstimmung über die größten Hits aufzufordern.

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Turandot ist die Sommeroper 2017 auf dem Kieler Rathausplatz.

Quelle: Olaf Struck

Kiel.  „Es gibt einige klare Anweisungen zum Verhalten in der Oper, wie nicht essen oder sich nicht laut zu unterhalten. Giacomo Puccini fügt bei ’Turandot’ noch eines hinzu: Nessun dorma – nicht schlafen!“ So bereitete der stets wunderbar vieldeutige Moderator Loriot die Gäste der legendären Aids-Galas an der Deutschen Oper Berlin auf den vielleicht allergrößten Opernhit aller Zeiten vor: die Arie des Prinzen Calaf. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit eines Nickerchens gerade in der letzten Oper des Italieners relativ gering, egal ob man der Anweisung der eisherzigen Titel-Prinzessin hörig folgt oder nicht. Das Werk ist kurz, laut, rhythmisch überaktiv, geht über Leichen und zögert den entscheidenden Kuss enervierend heraus. Außerdem ist über zu geringe Sauerstoff-Zufuhr gerade auf dem Kieler Rathausplatz noch nie auffällig geklagt worden ...

Warum so viele dem waghalsigen Calaf an den Lippen hängen, hat diverse Gründe. Zunächst ist der Sänger der Arie Tenor. Und wie das Beispiel Paul Potts zeigt, muss er dabei weder gut aussehen noch wirklich gut singen können. Kommt mindestens eines von beidem noch hinzu, gibt es sowieso kein Halten mehr. Die Arie mit dem Sehnsuchtsthema und dem „Vincero!“-Höhepunkt ist Viagra für die Ohren. Da reicht sogar ein hohes „h“ am Schluss, das bekanntlich niemand so prachtvoll siegesgewiss strahlen lassen konnte wie der „King-of-the-high-C“ Luciano Pavarotti.

Giacomo Puccini, der Komponist, kannte sich mit all dem bestens aus. Er war eine Art George Clooney Norditaliens, ganz ohne amerikanischen Akzent übrigens. Der Erotomane Puccini hatte als Horizonterweiterung seiner Ehe offenbar zahlreiche Affären und fühlte sich dabei, wie das Verhältnis mit einer Turiner Näherin zeigt, auch nicht von Standesdünkel oder justiziablen Tabubrüchen ausgebremst. Wer mehr darüber lesen möchte, dem empfehlen sich diesbezügliche Enthüllungsbücher des Autoren Helmut Krausser. Wer mehr hören möchte, braucht nur den vielen Verführer- und Opferarien des Tenor-Förderers und Frauen-Verstehers zu lauschen.

Unter den größten Hits der Operngeschichte tauchen nämlich neben Calaf noch mehr Chart-Kandidaten aus dem Puccini-Universum auf: Die bedauerliche Todes-Lyrikerin Liu ( Tu che di gel sei cinta) und die unnahbare und scheußlich schwer zu singende Turandot ( In questa reggia) höchstselbst. Nah verwandt mit beiden: Madama Butterfly ( Un bel di vedremo). Dann natürlich der eigentlich ironisch gemeinte Schmachtfetzen ( O mio babbino caro) von dem ebenfalls einem Selbstmord aus Liebe nahe stehenden Töchterchen Lauretta in Gianni Schicchi.

Und schon folgt wieder die Herrenriege der Tenöre, die in Tosca die Sterne über dem Engelsburg-Knast ( E lucevan le stelle), in La Bohème die kleine Hustende in der Studentenbude ( Che gelida manina) oder in Manon Lescaut die große Klosterflüchtige ( Donna non vidi mai) derart anschmachten, dass Gänsehaut keine Seltenheit ist. Die Liste ist da längst nicht zuende. Aber irgendwann fordert der Schlaf halt doch noch sein Recht.

Zum Nachhören: Puccinis Arien im Ranking - Wählen Sie Ihren Favoriten

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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