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Immer weiter dreht sich das Rad

Oper Premiere Immer weiter dreht sich das Rad

Mit Matsukaze hat am Sonnabend, 2. Mai, eine zeitgenössische Oper Premiere, deren Musik und Stoff zugleich tief im alten Japan verwurzelt sind. 2011 in Brüssel unter der Choreografin Sasha Waltz uraufgeführt, erfährt das Werk am Opernhaus der Landeshauptstadt seine erst dritte Inszenierung.

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Vor der Bühne: Matthias von Stegmann (Regie, rechts) und Walter Schütze (Ausstattung).

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Verantwortlich zeichnen hier Regisseur Matthias von Stegmann und Ausstatter Walter Schütze.

Ein pilgernder Mönch kommt an ein Meer, an dessen Strand eine Kiefer mit einer Gedenktafel steht. Sie erinnert an zwei Schwestern, die an diesem Ort einst glücklos denselben Mann liebten. In der Geisterwelt, in der sie weiterleben, trauern sie ihm auf ewig nach. Die Geschichte von Matsukaze und Murasame, wie die Schwestern heißen, zählt zu den beliebtesten Stoffen des japanischen Nô-Theaters. Unter dem Titel Matsukaze hat sie der aus Hiroshima stammende Komponist Toshio Hosokawa in eine Oper verwandelt. Darin nähert er sich dem Stoff zum einen mit den Mittel zeitgenössischer Kompositionstechnik, verbindet diese aber zugleich in der für ihn typischen Art mit alten japanischen Musiktraditionen.

Fragt man Matthias von Stegmann, wie stark auch er auf der Bühne das alte Japan wiederauferstehen lassen will, hält sich der Regisseur bedeckt: „Ich finde es immer heikel, wenn man versucht, an eine so große Tradition wie das Nô-Theater anzuknüpfen, denn das kann fast nur auf ein Plagiat hinauslaufen. Ich möchte das Stück in meiner Inszenierung erweitern, ohne es dabei zu verfälschen. Bestenfalls soll dieser Ansatz den Zuschauer in eine meditative Stimmung versetzen.“

Tatsächlich strahlt die Bühne, die von Stegmann mit seinem Ausstatter Walter Schütze entwickelt hat, eine kontemplative Strenge aus: „Während unser sehr grafisch angelegtes Bühnenbild auch eine gewisse Härte vermitteln soll, stehen die weichen und fließenden Kostüme bewusst im Kontrast dazu. Dies könnte man als den Gegensatz verstehen, den die weichen Menschenseelen zwangsläufig im harten Raum des Daseins nach dem Tode bilden müssen.“ Allzu genau möchte sich das Duo, allerdings nicht festlegen: „Die Produktion soll auf unterschiedliche Menschen unterschiedliche Wirkungen haben. Jeder kann dabei von einem anderen Bild berührt werden“, betont von Stegmann.

Technisch wird es dabei allerdings durchaus aufwändig zugehen: „Weil wir am Kieler Opernhaus bei unserer Inszenierung von Madame Butterfly so gute Erfahrungen gemacht haben, haben wir uns auch dieses Mal an eine alle Bühnenkräfte fordernde Umsetzung von Hosokawas Stoff gemacht.“ Tatsächlich wurde Matthias von Stegmanns und Walter Schützes Kieler Madame Butterfly gerade für den „Weltenbauer Award“ für die überzeugendste technische Umsetzung einer künstlerischen Idee nominiert.

 Man darf also gespannt sein auf ein ebenso klar wie effektbewusst umgesetztes Stück modernes Musiktheater, dessen allgemeingültige Kernaussage sich für von Stegamnn in einem Satz zusammenfassen lässt: „Und immer weiter dreht sich das Rad, so dass sich alles stetig erneut wiederholt.“

 Premiere am Sonnabend, 2. Mai, um 19.30 Uhr im Kieler Opernhaus

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