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Kuhruf und volles Rohr

Opernchor Oslo in Kiel Kuhruf und volles Rohr

Wenn Generalmusikdirektor Fritzsch Stühle schleppt, muss schwer was los sein in Kiel. Die Nikolaikirche platzte jedenfalls am Dienstag aus zwei Gründen aus allen Nähten: Weil der Publikumszuspruch beim Gastspiel des Norwegian National Opera Chorus Oslo riesig war – und weil die Sänger in Sachen chorischer Kraftmeierei keine Wünsche offen ließen.

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Tongewaltig: David Maiwald (li.) und der Norwegische Nationalopernchor.

Quelle: Berg

Kiel. Das donnerte, dröhnte und schallerte durch die Backsteingotik, dass man sich bisweilen Sorgen um die Hängung der Epitaphien machte.

 Das sängerische Potenzial im Osloer Opernchor ist enorm: Wer Solisten wie den Tenor Ulf Gunnar Øyen in den Reihen hat, der mal eben Nessun dorma aus Puccinis Turandot so schmettern kann, dass mancher Schallplattenkollege blass wird, der hat mit unendlichen Melodien und mächtigen Tonströmen von Wagners Pilgern oder Seeleuten, Verdis oder Schostakowitschs Gefangenen oder Leoncavallos Glocken keine Probleme. Während die Soprane bisweilen zu Schärfen neigten, begeisterten die Herren als Basis einer satten Klangpyramide – oder als Mozarts Zauberflöten-Priester. Magische Momente und Pianokultur waren aber eher die Ausnahme. Da ließe sich wohl noch mehr erreichen. Immerhin gab es sie: am ausgeblendeten Ende von Verdis Va pensiero-Hit oder im munteren Hick-Hack der Traviata-Zigeunerinnen.

 Der Dirigent David Maiwald vitalisierte die Repertoire-Highlights von der Opernbühne mit frischen Tempi, hatte in Andrea Secchi einen unbeirrbar fitten Klavierpartner und war ein köstlich fahrig-amüsanter Moderator. Am interessantesten gerieten die norwegischen Farben im Programm, mal folkloristisch mit Kostüm, Kuhruf und Hardangerfiedel (John-Ole Morken), mal progressiv mit Georgel aus vollen Rohren (Marcus André Berg) und nordisch herben Chor(al)intonationen. Komponistennamen wie Hovland, Kverndokk oder Bræin zwangen zum Aufhorchen. Ovationen und ein traditionelles Geburtstagsständchen als Zugabe.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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