17 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Flirren zwischen Gut und Böse

"Schneekönigin" im Opernhaus Flirren zwischen Gut und Böse

Die Schneekönigin, findet Jan Steinbach, habe etwas „seltsam Gruselig-Verführerisches". Eben das hat den Regisseur an dem Märchen gereizt, in dem Hans Christian Andersen so ambitioniert seine ganze Weltanschauung verpackt hat. Er inszeniert es für das Kieler Opernhaus.

Voriger Artikel
Hamburger Kunsthalle feiert Wiedereröffnung mit Manet
Nächster Artikel
Krachblütentherapie der wirksamsten Sorte

Motiviert: Bettina Rohrbeck (li.), Jan Steinbach, Christine Hielscher.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Im Opernhaus kommt die Geschichte am Sonnabend ohne den philosophischen Hintergrund des dänischen Dichters auf die Bühne; in einer kindertauglichen Fassung, die die Schauspiel-Dramaturgen Annika Hartmann und Jens Paulsen frei nach der Vorlage erarbeitet haben. „Die Grundstruktur“, sagt Jens Paulsen, „haben wir beibehalten. Aber wir haben uns auf die Figuren und die Mythen des Nordlands konzentriert und versucht, die Geschichte leichter und einen Kindertext daraus zu machen.“ Auf den Teufel mit seinem zersplitterten Spiegel, der nur die hässlichen Dinge zeigt, hat man verzichtet; stattdessen ist es hier die Schneekönigin, die das Herz des Jungen Kay zu Eis erstarren lässt.

 Wie Alice erzählt auch Die Schneekönigin von einer Reise; aber anders als Lewis Carrolls traumwandelnde Heldin hat das Mädchen Gerda ein klares Ziel: Sie will ihren Freund Kay erlösen. „Dafür muss sie etliche Hindernisse überwinden. Und ihre Angst“, sagt Regisseur Steinbach. „Daneben geht es aber auch um Freundschaft. Und darum, sich selbst zu erkennen.“ Immer neue Gefährten schließen sich Gerda auf ihrer Reise in Reich der Schneekönigin an: Fritjof, das Rentier, Borkentroll Blonk, sogar ein Baumgeist. „Das sind alles Figuren, die schön vielschichtig zwischen Gut und Böse flirren“, sagt Steinbach, „und nicht umsonst ist zwischen Gerda und der Schneekönigin ein unsichtbares Band gesponnen. Die eine ist ohne die andere nicht zu denken.“ Die Geschichte, so Steinbach, lebt von ihren extremen Gegensätzen. Und die kreisen auf der Drehbühne im Opernhaus nicht nur um die Wettertemperatur, sondern auch um die Emotionen.

 Eine Spielwiese auch für Christine Hielscher, die Bühnenbild und Kostüme gestaltet hat. Den Spaß, den die Bühnenbildnerin dabei hatte, spürt man immer noch, wenn von allen Farben Eis und Blau schwärmt, von üppigen Kostümen und farbigen Perücken. „Frozen habe ich mir vorsichtshalber nicht noch einmal angesehen – die Mädchen sind ja sowieso alle im Elsa-Fieber“, sagt sie, stattdessen aber Bilder von Eis und Schnee: „Und es ist toll, was man sich dazu ausdenken kann.“

 Ähnlich inspiriert hat sich auch Kapellmeisterin Bettina Rohrbeck gefühlt, als sie die Musik geschrieben hat: „Es macht Spaß, mit dem Baumgeist mal eben die Weltesche Yggdrasil einzubauen, wenn die an der Oper auch gerade verhandelt wird.“ Oder die Schneekönigin: „Wenn die so einen Bond-Auftritt hinlegt, braucht das natürlich die entsprechende Dramatik.“ Überhaupt genießt Rohrbeck die Freiheit auszuprobieren, was sonst einfach nicht geht.“ Von Charleston bis Punk reicht die Klangpalette, die Gerda und ihre Gefährten begleitet: „Und die Trolle rocken ein bisschen wie die Pogues.“

 Premiere am Sonnabend, 17.30 Uhr, im Opernhaus Kiel (Restkarten). Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3