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Paare und Walzerrausch

Ballettgala Paare und Walzerrausch

Das Ballett Kiel hat sein fünfjähriges Bestehen mit einer rauschenden Ballettgala gefeiert. Dafür sind Gäste aus Florenz, Hamburg und Kopenhagen angereist – und Alexander Abdukarimov. Er war in Ivanenkos ersten Kieler Choreografien so etwas wie der Star, bevor er vor zwei Jahren an das Staatsballett Berlin wechselte.

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Die Ballettgala in Kiel war Fest und Rückschau auf das Geschaffene.

Quelle: Marco Ehrhard

Kiel. Fünf Jahre ist vielleicht noch keine Ewigkeit, aber genug, um aus einer Truppe frisch zusammengewürfelter Tänzer ein Ballett zu entwickeln. „Sie ist erwachsener geworden“, sagt  Yaroslav Ivanenko über seine Compagnie, die er 2011 mit Heather Jurgensen am Theater Kiel auf die Beine gestellt hat. Fünf Jahre sind also auch ein Grund zum Feiern - und für ein bisschen Nostalgie, wie Heather Jurgensen hinzufügt. So ist die Ballettgala, die zum Jubiläum im ausverkauften Opernhaus über die Bühne ging, beides: Fest und Rückschau auf das Geschaffene.

Dafür sind Gäste aus Florenz, Hamburg und Kopenhagen angereist – und Alexander Abdukarimov. Er war in Ivanenkos ersten Kieler Choreografien so etwas wie der Star, bevor er vor zwei Jahren an das Staatsballett Berlin wechselte. Der Tänzer wirkt reifer, glänzt mit Partnerin Danielle Muir in einem Klassiker von Intendant Nacho Duato, dem 1990 entstandenen Pas de deux Rassamblement. Ein wunderbar zwischen leicht und schwer ausbalanciertes Miteinander aus Wellen und Zuckungen, Umeinanderrollen und Kreisen, das Muir und Abdukarimov hochkonzentriert und doch wie beiläufig entwickeln. Und er hat für den Abend mit Mitosis eigens ein Solo entwickelt, rau und rasant, raumgreifend und athletisch. Mit Armen wie Schwingen, zerquältem Reißen - die Geschichte einer Ablösung, irgendwo zwischen Mensch und Alien.

Hier sehen Sie Bilder von der Ballettgala 2016 in Kiel

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Nicht minder aufregend das Doppel, das Amilcar Moret Gonzalez - in Kiel derzeit als ausdrucksstarke böse Fee im Dornröschen zu sehen - mit Letizia Giuliani aus Florenz zu Musik von Schostakowitsch zeigt. Ein Tanz von großer Harmonie, ein schmerzlich schönes Flirren zwischen Nähe und Ferne, Verlieren und Finden. Spielerisch leicht und vergnügt dagegen die Accordeon Stories, in denen Heather Dunn und Carlos Garcia vom Tivoli Ballett Kopenhagen umeinander turteln. Und einen filigranen Klassiker legen Carolina Aguero und Alexandr Trusch, Erste Solisten am Hamburg Ballett, mit John Neumeiers großem Pas de deux aus Tschaikowskys Nussknacker hin: formvollendet.

So wird der Pas de deux an diesem Abend zum roten Faden, später noch einmal mit Gonzalez und Marina Kadyrkulova in der Abschiedsszene aus Ivanenkos Romeo und Julia. Und für das größere bis ganz große Tableau sorgen neben dem Tivoli Ballett Kopenhagen, das einen luftigen Ausschnitt aus August Bournonvilles La Sylphide auf die Bühne bringt, die Kieler selbst. Da zelebrieren Martin Andersen, Shori Yamamoto und Edward James Gottschall mit lässiger Komik den Tanz der Gaukler aus Ivanenkos Nussknacker, mit dem das neue Ballett 2011 eröffnete. In sprungstarken Wettbewerb treten – Breakdance-Einlage inklusive - Alexey Irmatov und Yamamoto um Momoko Tanaka im Pas de trois aus Schwanensee (2013) und später die ganze, ausnehmend sportliche Prinzenschar (Irmatov, Yamamoto, Sarsembayev, Orazbayev)um Dornröschen (Keito Yamamoto).

Es gibt ein Wiedersehen mit der witzig dahin gejoggten, trubeligen Strandszene aus dem Abend Auf dem Wasser zu tanzen (2013) und mit dem Opernball. Den hatte Ivanenko eigentlich kreiert, um seine Tänzer vorzustellen; aber die fröhliche tanzlustige Fingerübung mit ihren Reihen und rasant wechselnden Formationen hat Bestand und versetzt das ohnehin schon entzückte Publikum zum Schluss in kollektiven Walzerrausch.        

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