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Optimismus bei den Festspielen

Eutin Optimismus bei den Festspielen

Es herrscht Baustellenatmosphäre rund um die Eutiner Opernscheune. In einem Jahr werden hier durch einen der beiden Haupteingänge die Leute zur Landesgartenschau strömen. Noch eine Belastung, 2016 aber auch eine große Chance für die Eutiner Festspiele. Bevor dann die Zeit auch wieder rief ist für Carl Maria von Webers Freischütz, hat in elf Tagen Verdis Aida Premiere auf der Naturbühne.

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Gute Stimmung in Eutin: v.l. Intendantin Dominique Caron, Repetitor Francesco de Santis, Eduardo Aladrén (Radames), Milana Butaeva (Amneris), GMD Urs-Michael Theus, Susanne Braunsteffer (Aida), Christian Sist (Ramfis) und Anna-Luisa Hoffmann (Regieassistenz).

Quelle: og

Eutin. Für Intendantin Dominique Caron ist die 65. ihre vierte Eutiner Spielzeit. Und immer wieder ist sie begeistert von diesem Ort, von der Intimität, die er zu schaffen in der Lage ist, je weiter der Abend voranschreitet. Von den großen Stimmen: „Wie im Rausch“ sei es gewesen, als sie bei der ersten Probe die von ihr ausgewählten Sänger in ihren Partien gehört habe: Ihr Gespür für gute Stimmen hat sich offenkundig bestätigt. Keine Selbstverständlichkeit bei so vielen neuen Gesichtern – und bei so vielen Sängerinnen und Sängern, die ihre anspruchsvolle Partie hier zum ersten Mal singen. Aber auch das war schnell klar: Das Team stimmt – beste Bedingungen für eine fruchtbare Probenarbeit auf Eutins grünem Hügel.

 Neben der bewegenden Aida, nicht nur mit Blick auf Verona die Freilichtoper schlechthin, steht in diesem Sommer Carl Zellers beliebt-beschwingte Operette Der Vogelhändler auf dem Spielplan. Ja, die Operette sei wieder im Kommen. Allemal, wenn man sie aus der Pfalz Anfang des 19. Jahrhunderts, in die 50er-Jahre versetze, in eine Zeit, „die nicht so verstaubt ist“. Caron spricht von zwei Meisterwerken, die die unterschiedlichen Facetten des Musiktheaters eindrucksvoll ausloten: Aida, aus dem Ägypten zur Zeit der Pharaonen, hier zuletzt gespielt 2007, sei „große, überwältige Oper und zartfühlendes Kammerspiel zugleich“, Der Vogelhändler mit der Christel von der Post komme dagegen „fast so leicht und luftig daher, wie die sommerliche Brise vom Eutiner See“. Dominique Caron inszeniert beide Produktionen, Urs Michael Theus dirigiert sie und Ursula Wandaress hat wieder die wandelbaren Bühnenbilder entworfen. Sängerinnen wie Milana Butaeva (Azucena 2014, Carmen 2013) oder der Christoph Woo (Ferrando 2014) aus dem Kieler Ensemble sind in Eutin schon gute Bekannte, viele andere sind neu – darunter die Südafrikanerin Caroline Nkwe, die gerade erst im Winter einen Maritim-Musikpreis errang. Ja, Eutin ist auch Talentschmiede. Und erneut Ziel einiger Studenten aus Lawrence/Kansas – seit Jahren entsendet der Musikzweig der dortigen Universität Sänger- und Orchesternachwuchs nach Schleswig-Holstein.

 Man habe Vertrauen in die Festspiele gewonnen, nach schweren Zeiten, die 2010 in einer Insolvenz gipfelten. Die Intendantin spricht von einer mittlerweile wieder soliden Basis, einem Zuschauerstamm, den es zu pflegen und zu erweitern gelte. Die Hälfte der knapp 25000 Karten seien derzeit verkauft, sagt die neue Geschäftsführerin Sabine Kuhnert. Das sei ein solider Wert, der etwa dem des Vorjahres entspreche. Aber noch nicht genug. Deswegen werden demnächst die Urlauber an der Osteeküste, auch der Kieler Bucht, noch einmal besonders umworben. Schließlich müssen die Eutiner Festspiele bei einem Etat von rund 1,5 Millionen Euro 80 Prozent ihrer Ausgaben einspielen. Aida und Vogelhändler seien gleichermaßen nachgefragt, fühlen sich Intendantin und Geschäftsführerin in ihrer Planung bestätigt. Sie haben viel Elan und wenig Zweifel, 2015 erneut schwarze Zahlen zu schreiben.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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