20 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Alexander Mottok wird neuer Leiter

Orchesters am Ernst-Barlach-Gymnasium Alexander Mottok wird neuer Leiter

Wenn die Schulferien zu Ende sind, geht es für das Sinfonieorchester am Ernst-Barlach-Gymnasium schon direkt auf das erste Saisonkonzert Mitte November zu – und das unter neuer Leitung. Alexander Mottok hat die Nachfolge von Neil Fellows als fester künstlerischer Leiter des Jugendorchesters angetreten.

Voriger Artikel
Buch zur Geschichte der Elbphilharmonie erscheint
Nächster Artikel
Kubistischer Duktus der Kettensäge

Zwischen den Proben: Dirigent Alexander Mottok (Mitte) im Gespräch mit dem neuen Leiter des Musikzweiges Wulf-Henning Steffen (li.) und Schulleiter Christian Stegmann.

Quelle: Björn Schaller

Für den Dirigenten, der 1972 in Kiel geboren wurde und an der Lübecker Musikhochschule studierte, ist das eine Art Heimkehr. Zwar hat er als junger Geiger selber nie im EBG-Orchester gespielt, weil er an der Kieler Gelehrtenschule im „Hasenjäger-Stall“ zur Musik als Beruf und Berufung gefunden hat. „Aber es hat mich schon damals interessiert, wie Robert König mit seinen Musikern geprobt hat“, so Mottok. „Das hat sich stark unterschieden. Von beiden konnte man viel lernen.“

Wichtig ist ihm heute die Basis-Arbeit in mehreren Stufen aus den Kräften der Schule heraus. „Fellows hat da sehr viel richtig gemacht.“ Entsprechend will er Konzertprogramme aufbauen und eine Förderung „von früh an“ mittragen. Das passt gut zum Konzept des Projensdorfer Gymnasiums mit Musikzweig. Schulleiter Christian Stegmann: „Es ist ja eher ungewöhnlich, einen Profidirigenten an einer Schule einzustellen. Aber das soll auch ein Signal sein für die künstlerische Ausstrahlung in die Landeshauptstadt und die Region. Entsprechend bleiben wir auch offen für Talente von außen.“

Der neue Leiter des Musikzweigs, Wulf-Henning Steffen, sieht dennoch die unmittelbare Einbindung ins Schulleben als zentrales Pfund der orchestralen Ausbildung, „auch wenn das nicht einfacher wird, weil durch G8 ein Jahrgang der Ältesten fehlt“. Dennoch funktioniere der systematische Aufbau von den kleinen Streichern, angefangen bei der Suzuki-Methode, über die Anfängergruppen der Bläser in Zusammenarbeit mit der Musikschule Kiel, dem Schulorchester (ab der 8. Klasse) bestens, sind sich Stegmann und Steffen einig. Über allem throne das Sinfonieorchester „als pädagogischer Zielanreiz“ und Partner von besonders begabten Solisten. Umgekehrt werde Musik zur Selbstverständlichkeit und präge das Schulleben und Gemeinschaftsgefühl spürbar positiv.

Alexander Mottok will auf dieser Welle und mit dem Förderverein im Rücken das Kieler Kulturangebot bereichern. Der in Ahrensburg lebende Dirigent, der unter anderem das Deutsche Ärzteorchester sowie die Norddeutsche Hanse-Philharmonie leitet, hat noch keine Erfahrung mit Jugendensembles, weiß aber: „Wichtig ist, dass man jeden Musiker für voll nehmen muss. Vielleicht wird man beim Proben geringfügig andere Bilder beim Erklären wählen, aber wie man musiziert, hängt nicht vom Alter ab. Ernsthaftigkeit wird auch hier geschätzt, klare Ansagen eingefordert.“ Und selbst wenn Profis vielleicht schneller zum Ergebnis kommen: „Schüler sind dafür flexibler in der Lage, sich umzustellen, sie reiten nicht auf eingefahrenen Wegen herum.“ Man könne sogar mehr bewegen, auch spieltechnisch. „Ich kann hier ja jeweils empfehlen: Geh’ noch mal zu deinem Lehrer und guck’ dir die Stelle nochmal mit ihm zusammen an.“

Drei Konzerte hat Mottok geplant. Das Schloss soll unbedingt zentraler Auftrittsort bleiben. Dort beginnt er unter dem Motto „In der Fremde“ mit Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre, der „Londoner“ Sinfonie Nr. 104 von Haydn und Gershwins Amerikaner in Paris. „Haydn ist mir besonders wichtig. Da kann sich keiner verstecken. Und bei Gershwin können wir Saxofone einbinden.“ Am 18. März soll Mozarts Requiem in der Petruskirche folgen, damit auch die Chöre partizipieren. Auch für Crossover-Experimente ist Mottok offen, schließlich leitet er in Bremen Musical-Produktionen und hat mit dem Hamburger Gateway Symphony Orchestra herrlich frech Wagners Musikdramen nach Kuba, Spanien und Harlem versetzt. Also könnte auch die Bigband ins Spiel kommen. „Haydn, Schubert (der liegt meinem Wesen am nächsten ...), Brahms, Dvorák, Tschaikowsky, lebende Komponisten, Crossover, Musical ... Man kann so vieles machen, sofern man jedes Einzelne ernst nimmt. Die zentrale Frage aber muss immer sein: Was bringt das Orchester einen Schritt weiter?“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3