13 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Schlaflieder zum Wachbleiben

Palestrina-Ensemble Kiel Schlaflieder zum Wachbleiben

Das lediglich 20-köpfige Palestrina-Ensemble Kiel präsentierte sich in der sehr gut besuchten Pauluskirche in betörender Form. Dirigent Andreas Koller hatte zu einer reizvoll feinstofflichen Reise auf die Insel anzutreten: „Englische Winterklänge“ waren das Thema, Schlaf und Schlafes Bruder auch.

Kiel Niemannsweg 16 54.33378 10.14511
Google Map of 54.33378,10.14511
Kiel Niemannsweg 16 Mehr Infos
Nächster Artikel
Kultursenatorin über Willemsen: "Wanderer zwischen den Welten"

Das Palestrina-Ensemble Kiel mit Dirigent Andreas Koller (links).

Quelle: Picasa

Kiel. Gegen die spanischen und niederländischen Invasoren hatte sich die Seemacht England im 16. Jahrhundert noch erfolgreich gewehrt. Vor der Kunst aber streckte man die Waffen. Die Vokalpolyphonie vom Festland passte zu perfekt auch ins Netzwerk-Gewölbe der englischen Kirchen, Klöster und Castles. Dennoch fand man in anglikanischen Gefilden zu einem eigenständig noblen Ton. Schon bei Thomas Tallis schwingt das mit und pflanzt sich durch die Jahrhunderte „very british“ fort.

 Das lediglich 20-köpfige Palestrina Ensemble Kiel präsentierte sich am Sonntag in der sehr gut besuchten Pauluskirche in passgerecht betörend distinguierter Form. Andreas Koller hatte die vier Stimmregister nahezu optimal ausbalanciert, um eine reizvoll feinstoffliche Reise auf die Insel anzutreten: „Englische Winterklänge“ waren das Thema, Schlaf und Schlafes Bruder auch.

 Ob bei den schmerzlichen Klagevorhalten des „Orpheus britannicus“ Henry Purcell (Remember, not; Hear my prayer) oder im modernisierten Gegenschnitt mit seinem alles überragenden und hier exemplarisch farbstark und rhythmisch pulsierend interpretierten Erben Benjamin Britten (Carol: Maiden in the mor lay; Ye that pasen by), ob bei barocken Klangkathedralen von Byrd und Blow oder lohnenden Entdeckungen in romantisch weichgezeichneten Hörlandschaften (lohnend: Robert L. Pearsalls achtstimmige Trauermadrigal Lay a garland; Herbert Howells) – überall schwang sich eine souverän fließende, luzide, dabei aber nie verbissen „deutsch“ überdeutliche Stimmkultur aus. Dazu passte auch das locker aufgeklarte Orgelspiel von Matthias Lücke in Werken von Händels Freund John Stanley und dem gemäßigt modernen Waliser William Mathias gut.

 Einziger Fremdkörper im Programm: Eric Whitacres Seal Lullaby. Der Komponist des klavierbegleiteten, mit Disney-Attitüde nah am Kitsch gebastelten Wiegenlieds für einen süß dösenden Seehund ist Amerikaner – und das hört man auch. Traumschön gesungen war die Invasion aus Hollywood trotzdem.

www.palestrina-ensemble-kiel.de

Die nächsten Konzerte, unter anderem mit den Acht geistlichen Gesängen op. 138 von Max Reger, finden am 19. und 23. Juni statt.

www.reger-kiel2016.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3