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Chronologie einer Karriere

„Drei Farben Braun“ im Metro Chronologie einer Karriere

Ob es tatsächlich eine „psychedelische Walpurgisnacht“ oder „Apassionata ohne Pferde“ war, darf jeder Besucher für sich selbst entscheiden, sicher ist nur, dass das humorvollmundige Trio Studio Braun im ausverkauften Metro bei seiner Live-Werkschau den Saal in ein sehr buntes Braun tauchte.

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Voller Einsatz: Rocko Schamoni, Heinz Strunk, Jacques Palminger (v.li.) mit ihrer Live-Werkschau im Metro.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Blitz und Donner auf der Leinwand, dann erscheinen die drei unbescheiden als Erlöser angekündigten Komik-Kadetten auf der Bühne: Jaques Palminger, Heinz Strunk und Rocko Schamoni ziehen Bilanz aus 15 Jahren kreativem Wahnsinn, der sich in schrägen Songs, Performances, Filmen, Theaterinszenierungen und, wohl den meisten bekannten, skurrilen Telefonstreichen entladen hat.

 Die Karriere wird chronologisch abgearbeitet, beginnend mit Kinderfotos, die, von den Künstlern selbst kommentiert, eine ganz neue Bedeutung erlangen. Fakt ist, dass Palminger und Schamoni aus der Punkszene stammen, während Strunk als Saxofonist und Querflötist mit der Tanzband Tiffanys durch die Lande tingelte (hinreichend beschrieben in seinem Buch Fleisch ist mein Gemüse), bis er als „menschliche Ruine“ bei Studio Braun landet. Von der ersten Band, dem Ballonseide-Ensemble „Jogging Mystique“, die, wie viele Projekte, von „Alkohol und Erfolglosigkeit“ geprägt ist, gelangen die Trash-Titanen zur Kunst im öffentlichen Raum. Sehr amüsant und mit Fotos dokumentiert ist die Fanta-Aktion: Zu gewollt stümperhaften Werbeslogans wie „Fanta immer ganz auftrinken“ verkaufen sie vor einem Supermarkt Getränkedosen weit unter dem Einkaufspreis – ein vorsätzliches Verlustgeschäft und somit ein Fantatropfen auf den heißen Stein des Kapitalismus.

 Lakonisch und mit demonstrativer Seriosität kommentieren Palminger, Strunk und Schamoni das Geschehen und kleiden den Raum zwischen Pubertät und Altersexzentrik mit starken Worten aus.

 „Motorsäge“ oder „Blumenwagen“ sind Klassiker der psychedelischen Telefonstreichphase von Studio Braun, die den wahnwitzigen Hamburgern zwar keinen kommerziellen Erfolg, aber doch Kultstatus und drei große Tourneen einbrachte. Herzlich belacht wird ein Beispiel aus „der Spätphase“, in dem ein vollkommen überflüssiger Übersetzer den Angerufenen in den Wahnsinn treibt.

 Studio Braun sind auch die fiktive Technopionier-Band Fraktus und, wie es sich für Musiker gehört, singen und spielen Studio Braun diverse Songs live – von Schäferstündchen, mit dem Strunk versuchte, „den Code der Volksmusik zu knacken“ über „Sexualschmunzeleien“ namens Schokospiele der Harburger Saubuam bis zum bläsersatten und aufwändig arrangierten Love School mit feinem Querflötensolo ziehen die Herren einige Register.

 Nicht zu vergessen sind ihre absurden Theaterinszenierungen wie die eigenen Buchadaptionen Fleisch ist mein Gemüse oder Dorfpunks, aus dem Strunk eine sehr lustige Liveszene spielt. Und was es mit der „Saufkrake Bonito“ auf sich hat, findet sich sicher auch im neuen Buch Drei Farben Braun…

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Ein Artikel von
Kai-Peter Boysen

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