11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Kafkaesker Waschmaschinenkauf

Paul Bokowski im Kulturforum Kafkaesker Waschmaschinenkauf

Wie viel kann schon schief gehen bei einem einfachen Waschmaschinenkauf in einem Online-Shop? Jede Menge, würden jetzt vermutlich gebeutelte Kunden antworten. Dass so ein Kauf allerdings einen E-Mail-Wechsel geradezu kafkaesken Ausmaßes annehmen kann, bewies der Berliner Lesebühnen-Autor Paul Bokowski mit seiner satirischen Geschichte Die neue Waschmaschine im Kulturforum.

Voriger Artikel
Shooting-Star mit starken Supports
Nächster Artikel
Leipziger Grassi Museum erhält großzügige Schenkung

Paul Bokowski bewies im Kulturforum großes komödiantisches Talent.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Immer wieder versucht der Erzähler den angepriesenen kostenlosen Liefertermin mit der stoischen Service-Dame abzustimmen. Allein – es soll ihm nicht gelingen. Mal kann nur in Monaten ohne „R“ geliefert werden, mal nicht an Samstagen im Advent. Endlich steht das Angebot im Raum, in der nächsten Woche zwischen 11 und 19 Uhr vorbeizukommen – in der gesamten nächsten Woche wohlgemerkt, einen genauen Tag kann die Dame nicht nennen. Der Kunde prüft derweil die Angebote für Kettensägen.

 Die Qualität der satirischen Alltagsbeobachtungen des Paul Bokowski liegt genau in diesen immer weiter getriebenen Zuspitzungen, die am Ende oft nochmal einen Dreh ins Absurde oder Surreale nehmen. Die meisten seiner Geschichten an diesem Abend stammen aus seinem neuen Buch Allein ist man weniger zusammen. Einige sind auch noch unveröffentlicht. Schon der Titel seines ersten Buchs Hauptsache nichts mit Menschen deutet in die unterhaltsame Neurosenecke, und man wird auch von den neuen nicht enttäuscht.

 Besonders gut entfaltet sich Bokowkis Komik in pointierten Dialogszenen, die der Autor mit einigem komödiantischem Talent in verteilten Rollen geradezu szenisch aufbereitet. Fundgrube ist ihm dabei oft seine weitverzweigte polnische Großfamilie. Nachdem er und seine Schwester im fortgeschrittenen Alter entschieden hatten, den „Hochfesten des familiären Wahnsinns“, also Weihnachten und Ostern, fortan fern zu bleiben, wurde der Kompromiss eines einmal jährlich stattfinden zu habenden, gemeinsamen Urlaubs von jeweils einem der beiden Kinder mit den Eltern installiert. Aus dem berichten sich Paul und Hannah nun immer wechselseitig in Briefen. Außerordentlich witzig ist das, wenn die Mutter, im Ohr den brüllend lauten Audioguide, im Louvre beim Anblick von Aktbildern jedes Mal den Sohn peinlich genau befragt: „Gefällt dir so was?“ Nach zwei kurzweiligen Stunden verlässt ein amüsiertes Publikum den Saal.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3