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Petersburger Hexenritt

SHMF Petersburger Hexenritt

Ein Orchester, das es bei Qualitätsumfragen immer wieder unter die besten Zwanzig der Welt schafft; ein Dirigent, der einst als Assistent der gefürchteten Legende Evgeny Mravinsky aus allerbester russischer Tradition hervorging – das sind die Zutaten für ein festivalwürdiges Konzertereignis.

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Nixe nach dem Brahms-Klangbad: Yuja Wang mit Dirigent Yuri Temirkanov und Petersburger Philharmonikern.

Quelle: Claudia Höhne / Elbphilharmonie

Hamburg. In Modest Mussorgskys in Tongebirgen gefrorener Gedenkschau "Bilder einer Ausstellung" sind die St. Petersburger Philharmoniker und ihr Chefdirigent Yuri Temirkanov perfekt zu Hause. In der Elbphilharmonie breiteten die Russen am Dienstag die Wanderung von Gemälde zu Gemälde genüsslich aus. In der Klavierstück-Orchestrierung von SHMF-Schwerpunktkomponist Maurice Ravel orgelte das rechts konzentrierte Blech die Promenade, die Grabesschwärze der Katakomben oder das finale Glockenläuten am Tor von Kiew als orthodoxe Klangikonen herbei, boten die Holzbläser superbe Kollektiv- und Sololeistungen, fegten die wunderbar warm verdichteten Streichermassen virtuos durch die Hexenhütte der Baba-Jaga. Eine traumhaft farbenreich schillernde und raumfüllende Klangwolke folgte dann auch in der Zugabe: dem Amoroso aus Prokofievs "Cinderella"-Ballett.

Vor der Pause stand der Jungstar Yuja Wang im Zentrum der Aufmerksamkeit, von der kundige Leute behaupten, die in den USA lebende Pianistin sei der weit bessere und seriösere chinesische Exportschlager als Lang Lang. In Anlehnung an die am Wasser gebaute große Konzerthaushöhle Elbphilharmonie mit ihren Muschelwänden hatte die 30-Jährige mit ihrem extrem stoffsparenden Nixen-Outfit allerdings zunächst von ernsthafter Kunstausübung abgelenkt. Auch war man erstaunt, dass es Wang auf ihren High Heels überhaupt bis zum Flügel geschafft hat. Dann aber stimmte sowohl die Bedienung der Pedale als auch der Tasten: Der jugendlich-dramatische Solo-Part in Johannes Brahms’ d-Moll-Klavierkonzert op. 15 kam mit kantiger Attacke und flüsterleise schnurrenden Alternativstellen fesselnd über die Rampe, auch wenn sich die sekundierenden Petersburger hier noch sortieren mussten und ihre vorderen Pult nicht selten früher durchstarteten als die hinteren.

Von Christian Strehk

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