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Mit Fritzsch und Tokarev in die Saison

Philharmoniker Mit Fritzsch und Tokarev in die Saison

Die Kieler Philharmoniker sind spektakulär in die Konzertsaison gestartet. Einerseits hatten sie mit dem russischen Starpianisten Nikolai Tokarev einen imposanten Solisten geholt. Andererseits gelang es Generalmusikdirektor Georg Fritzsch, nachhaltig für Peter Ronnefeld als Komponist zu werben.

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Die Kieler Philharmoniker sind am Sonntag in die neue Saison gestartet.

Quelle: Marco Ehrhardt

Als Individuen werden Ameisen meist unterschätzt. Wir staunen dagegen gerne über ihre staatlich organisierten Gemeinschaftsleistungen. Dem gewitzten Peter Ronnefeld, einst in Karajans Gefolge Hoffnungsträger der Musikwelt und jüngster Generalmusikdirektor Kiels, war die formidable Formicidae sogar eine Oper wert. 50 Jahre, nachdem er den neu erbauten Konzertsaal im Schloss-Komplex gerade noch vor seinem viel zu frühen Tod einzuweihen geschafft hatte, erinnert nun sein zehnter Nachfolger am selben, trotz Kiellauf-Hürden gut besuchten Ort an den Komponisten Ronnefeld: GMD Georg Fritzsch gelingt mit den Kieler Philharmonikern eine spannungsvolle Aufführung der viersätzigen Orchestersuite aus dem tragikomischen Musiktheater Die Ameise.

Ob im zunächst wildwüchsig avantgardistisch wirkenden, aber zwölftönig geordneten Gewimmel und Getöse oder in den eindringlich intensivierten, nach innen gewandten Momenten mit ihren ausdrucksstarken Soli in Bratsche und Posaune (Hendrik Vornhusen und Teo Kovacevic) – im Beisein der eigens aus Kopenhagen angereisten Witwe Minna Ronnefeld stellt sich spürbar Faszination angesichts der gar nicht gestrigen, von vielen Schlagwerk-Impulsen bewegten Klänge von 1965 ein.

Das Publikum wird aus dem Staunen nicht entlassen, denn mit Nikolai Tokarev ist ein russischer Starpianist für Edvard Griegs a-Moll-Klavierkonzert geladen, der seinen Part mit bewundernswerter Klarheit sozusagen in norwegisches Gestein meißelt. Wie in der Rachmaninow-Zugabe ( cis-Moll-Prélude) scheint hier jeder mächtige Akkord genau ausbalanciert, wird bedeutend Melodisches betont und Untermalung – und sei sie noch so virtuos – gekonnt im Hintergrund belassen.

Die Kieler Philharmoniker ummanteln Tokarev gewandt und allenfalls ganz am Ende etwas zu laut. Was Peter Tschaikowsky angeht, sind sie nach der Sechsten Symphonie, der Oper Eugen Onegin und den Balletten ohnehin hörbar vertraut „im Film“. GMD Fritzsch kultiviert mit ihnen jetzt eine eindrucksvolle Schicksals- Fünfte, deren Melodien sich soghaft sehnsüchtig verketten. Von russischen Interpreten kann man das Zentralmotiv wesentlich schärfer wiederkehren, die Extremkontraste weit unwirtlicher hören. Auch der Walzer klingt weiter östlich oft geisterhaft entrückter. Aber wie Fritzsch die von e-Moll im letzten Moment nach E-Dur durchbrechende Partitur in warmen Farbtönen auffächert und ohne übertriebene Gefühligkeit voranströmen lässt, wie empfindsam eingebettet dabei die schönen Bläsersoli (genannt sei hier stellvertretend der Solo-Klarinettist Ishay Lantner) aufglühen, ist wirklich genießenswert.

Das Konzert wird am Montag um 20 Uhr im Kieler Schloss wiederholt. Einführung 19.15 Uhr. Karten: 0431 / 901 901. www.musikfreunde-kiel.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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