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Musik, „die uns an die Grenzen führt“

Philharmonische Konzerte Musik, „die uns an die Grenzen führt“

Generalmusikdirektor Georg Fritzsch startet optimistisch in die neue Saison. Zum Auftakt der philharmonischen Konzerte in Kiel spielen die Philharmoniker Peter Ronnefeld.

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Startet optimistisch in die Saison: GMD Georg Fritzsch.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Generalmusikdirektor Georg Fritzsch zückt sein Smartphone und führt Fotos und ein Video vom neuen Konzertsaal-, Hotel- und Kongresszentrum im schwedischen Malmö vor. Auch auf Stettin verweist er. „Spektakulär“ sei der neue Konzertsaal dort. Man solle sich mal genau angucken, welche kulturwirtschaftlichen Perspektiven sich dadurch in den vergleichbar großen Städten ergeben. Während man staunend der Spur von Sonderburg über Aalborg, Aarhus, Kopenhagen und Odense bis nach Malmö folgen könne, sei an der deutschen Ostseeküste in den vergangenen 25 Jahren nach der Lübecker MuK nichts entstanden.

„Aber es bewegt sich was in Kiel!“ Der Oberbürgermeister kümmere sich. „Ich bin nicht der größte Feind des Saales“, so Fritzsch, „aber ich bin der größte Feind von ,keiner Lösung’ – und von einer, in der das Wort ,Ertüchtigung’ als Nothilfssanierung auftaucht.“

 Am Sonntagvormittag und Montagabend startet Fritzsch mit den Philharmonikern in die Konzertsaison. Er freut sich über leicht angestiegene Zuspruchszahlen, „auch wenn wir sowieso im jeweiligen Jahr mit Beethovens Neunter zu Neujahr immer etwas besser abschneiden“. Das neue Programm hält er für ausgesprochen attraktiv, den Bezug zum 50-jährigen Jubiläum des Schloss-Saales „in Verbindung mit einer Zukunftsperspektive“ wichtig und die sonntägliche Kinderbetreuung sowie das „Junior“-Projekt (diesmal mit Mussorgskys Bilder einer Ausstellung) sorge für erste Erfolge zur Verjüngung des Publikums.

 Der Auftakt erinnere bewusst an den Eröffnungsdirigenten des Schlosses Peter Ronnefeld, seinen jung verstorbenen Vorgänger im GMD-Amt, „den viele mit guten Gründen als Nachfolger von Karajan gesehen haben“. Er sei auch ein begnadeter Komponist gewesen. Und das soll und könne die Suite aus der Oper Die Ameise beweisen, deren Zweitfassung kurz nach Ronnefelds Tod 1965 unter Gerd Albrecht in Kiel uraufgeführt worden ist. „Eine sehr eigenständige und verteufelt schwere Musik, die uns an die Grenzen führt.“ Stilistisch neuartig sei das, im ersten Teil wie eine Sammlungsbewegung von Millionen Ameisen, aber dann auch mit einem Todeswalzer und tiefer Melancholie in Mahler- und Schostakowitsch-Tradition.

 Als Nachklapp-Zufall bezeichnet Fritzsch die Wahl von Peter Tschaikowskys Fünfter Symphonie unmittelbar nach dem Schwerpunkt des SHMF. Fritzsch erinnert sich gerne an eine strenge Lesart unter Günter Wand. „Und man merkt, dass Tschaikowsky Mozart sehr verehrt hat und die Melodien auch bei Schubert ihren Ursprung haben. Man sollte trotz der russischen Tragik und einsamen Melancholie aufpassen, dass da nicht zu viele schwere, weinrote Samtvorhänge im Hörbild hängen, in denen die Motten sitzen. Das wird meine Aufgabe sein.“

 Außerdem freut sich Fritzsch auf die zweite Zusammenarbeit mit dem Pianisten Nikolai Tokarev, der mit Edvard Griegs Klavierkonzert ein romantisches Schwergewicht der Literatur anfasst. „Das ist ein Pianist, der die Stücke mit einer besonderen Aura belegt. Da bin ich gespannt darauf.“

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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