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Frei von Schwefelschwaden

Philharmonisches Junior-Konzert Frei von Schwefelschwaden

Mit den Melodien des "Teufelsgeigers" Niccolò Paganini versuchten die Pilharmoniker am Sonntag die Jugend anzusprechen – milde ausgeführt wird das vom ungarischen Violinstar Kristóf Baráti. Die ganze Wucht der Philharmoniker selbst komplettierte einenn gelungenen "Junior"-Auftritt.

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Virtuos milde greift und streicht der ungarische Violinist Kristóf Baráti.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Wenn Georg Fritzsch zu Beginn des Philharmonischen Konzerts die „Jungen und Junggebliebenen“ begrüßt, weiß man, dass sich im Kleingedruckten des Programmhefts der Zusatz „Junior“ findet. Die Reihe ist offen für alle, soll aber besonders junge Hörer anlocken. Im Kieler Schloss dominiert am Sonntagvormittag noch die Eltern- und Großelterngeneration, doch auch der Nachwuchs ist unübersehbar präsent. Ihm erzählt Kiels Generalmusikdirektor noch ein paar Takte von Niccolò Paganinis 1. Violinkonzert D-Dur, op. 6 und der dämonischen Aura seines übermenschlich virtuosen Schöpfers, der seinerzeit in Verdacht stand, einen Bund mit dem Teufel geschlossen zu haben.

Baráti ist wohl kein Teufelskerl

Der Geiger Kristóf Baráti ist so ziemlich das genaue Gegenbild zu diesem Typus. Der international gefeierte Ungar wirkt nahbar und aufgeschlossen, lächelt versonnen, als das Orchester beginnt, und hebt seinen Bogen humorvoll zum Flüsterzeichen an die Lippen, als einer der zuhörenden Junioren in die Musik zu plappern beginnt. Auch in seinem Solopart verbreitet er keine Schwefelschwaden, sondern durchdringt ihn mit schöner Klarheit, wodurch er die eigentliche Qualität des oft als Zirkusnummer dargebotenen Werks unterstreicht. Faszinierend ist es dabei, ihn mit Selbstverständlichkeit all die aberwitzigen Paganini-Tricks ausführen zu sehen, die der GMD dem Publikum vor Beginn der Aufführung bereits mit Konzertmeister Maximilian Lohse vorgestellt hatte: linkshändige Pizzicati, doppelgriffige Flageoletttöne, rasante Springbogen-Tänze.

In Barátis Lesart bilden all diese technischen Zaubereien das Mittel zum Zweck einer wunderbar sängerischen Ausdeutung der Partitur, der sich Fritzsch und die Kieler Philharmoniker inspiriert anschließen. Obwohl die Geige hier zwangsläufig ganz im Mittelpunkt steht, bilden Orchester und Solist mit ansteckend vereintem Brio doch zugleich eine stimmige Einheit. So entsteht im Verlauf der Exegese maximaler Mehrwert: Man erlebt eine Musik voller Virtuosität und Kantabilität, deren Protagonist auch auf der Mikroebene manches neue Detail offenbart. Ein seelenvoller Ausflug Barátis in die Solosphären Johann Sebastian Bachs krönt die erste Konzerthälfte.

Christian Kämpfer erweckt den Komponisten zum Leben

Nach der Pause kehren die Philharmoniker in großer Besetzung auf die Bühne zurück, denn nun steht Leo Funteks Orchesterversion von Modest Mussorgskys Klassikhit Bilder einer Ausstellung auf dem Programm. Als Sidekick der Aufführung umrahmt Christian Kämpfer vom Kieler Schauspielhaus die Komposition mit einer lebendig vorgetragenen und von Konzertdramaturgin Eva Heußel frei erfundenen Erzählung, die den Komponisten selbst zum Besucher der Ausstellung macht, in der er auf den Geist seines verstobenen Künstlerfreundes Viktor Hartmann trifft. Georg Fritzsch erweckt die Programmmusik dazu mit deutlich mehr Klangtiefe als -schärfe zum Leben, spart nicht an Effekten und erntet schließlich großen Applaus für eine rundum gelungene Junior-Vorstellung.

Das Konzert wird am Montag um 20 Uhr im Schloss Kiel wiederholt.

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