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Sensationeller Auftritt

Philippe Jarousskys als „Artist in Residence“ Sensationeller Auftritt

Das „Konzerthaus Berlin“ kann sich glücklich schätzen, einen so renommierten Countertenor wie Philippe Jaroussky als „Artist in Residence“ zur Verfügung zu haben, und natürlich hat man für ihn in der Saison 2015/16 ein maßgeschneidertes Programm zusammen gestellt. Die konzertante Aufführung von Alessandro Scarlattis Oratorium war zweifellos ein ganz besonderer Höhepunkt.

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Berlin.   Rom 1708: Der Papst hatte nicht nur die Oper verboten, sondern auch den Karneval, und Sängerinnen durften auch nicht öffentlich auftreten. Da musste man aus dem was möglich war, das Beste machen. Frauenstimmen wurden durch Kastraten ersetzt, und aus biblischen Geschichten konnte man sehr wohl eine „geistliche Opera“ machen – man brauchte nur noch einen Komponisten, der trotz der päpstlichen Verbote ein interessantes Werk schaffen konnte, und da bot sich natürlich der aus Palermo zugezogene, durch viele Oratorien berühmt gewordene Alessendro Scarlatti an. Der Kurienkardinal Pietro Ottoboni schrieb ein Libretto, das zeitgemäße Poesie mit tradierten liturgischen Texten verband, ohne gegen theologische Prinzipien zu verstoßen, und bat Scarlatti, diese Verse in Musik zu setzen. Sein „Oratorio per la Passione di Nostro Signore Gesù Cristo“ wurde in der Karwoche 1708 im Palazzo della Cancelleria vor erlauchtem Publikum uraufgeführt – auch der 23-jährige Händel war anwesend und hat gewiss so manches vom Altmeister Scarlatti lernen können.

   Das „Konzerthaus Berlin“ kann sich glücklich schätzen, einen so renommierten Countertenor wie Philippe Jaroussky als „Artist in Residence“ zur Verfügung zu haben, und natürlich hat man für ihn in der Saison 2015/16 ein maßgeschneidertes Programm zusammen gestellt. Die konzertante Aufführung von Alessandro Scarlattis Oratorium war zweifellos ein ganz besonderer Höhepunkt im Rahmen seiner Berliner Auftritte, denn man konnte nicht nur den wundervollen Countertenor Valer Sabadus und die phänomenale Altistin Sonia Prina für die Aufführung im Konzerthaus gewinnen, sondern auch das auf Barockmusik spezialisierte Orchester „Les Folies Françoises“ unter der Leitung seines versierten Chefs Patrick Cohën-Akenine. Da hatten sich drei Spitzensänger zusammengefunden, die hervorragend miteinander harmonierten, die genau in Duetten und Terzetten aufeinander horchten, deren Stimmen miteinander verschmolzen zu beglückendem Wohlklang. Die von der Violine aus dirigierten „Folies Françoises“ konnten mit üppigem, fein nuancierten Orchesterklang begeistern, und wenn die prachtvollen Barocktrompeten für „den reuigen Menschen“ ertönten, dann machte sich eine lustvoll-fröhliche Stimmung breit, die Scarlattis sinnenfrohe Musik endgültig als Opernersatz entlarvte.

   Aber es gibt auch außerordentlich ergreifende Passagen in diesem Oratorium, in dem die drei allegorischen Figuren La Colpa (die Schuld), il Pentimento (die Reue) und la Grazia (die Gnade) miteinander intensiv diskutieren, wie und warum der sündige Mensch auf göttliche Gnade hoffen darf. Ein Herzstück der Partitur ist zweifellos das Duett „Piangerò“(„Durch euch, ihr willkommenen Tränen“), in dem Sonia Prina (Il Pentimento) und Valer Sabadus (La Grazia) dem besungenen Tränenfluss einen nicht mehr diesseitigen, geradezu seraphischen Glanz verleihen. Von den vielen Arien, die Philippe Jaroussky als La Colpa singt, sticht besonders „Trombe, che d'ogni intorno“ hervor. Festlicher Trompetenklang harmoniert hier perfekt mit seinem virtuosen Gesang.

   Das Publikum im ausverkauften Konzerthaus bedankte sich mit langem, begeistertem Applaus und wurde mit der Wiederholung des Schlussterzetts belohnt. Philippe Jaroussky, der Artist in Residence, tritt wieder am 2., 3., 4., 7., 8. und 27. Juni im Konzerthaus Berlin auf.

www.konzerthaus.de

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