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Auf Tasten zu Nirvana

Christoph Spangenberg in Kiel Auf Tasten zu Nirvana

Eindrucksvoll: Am 18. November 1993 brachen Nirvana bei ihrem legendären MTV-Konzert in New York ihre noisigen Songs aufs Akustische herunter. Pianist Christoph Spangenberg setzt die Kultband nun auf dem Flügel in Szene.

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Er taucht tief in Kurt Cobains Melancholie: Pianist Christoph Spangenberg.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Das Ambiente, bestehend aus Kerzen und weißen Lilien, war dabei Kurt Cobains eigene Idee, und es verlieh dem Auftritt einen bedrückenden Charakter. Viele sahen darin bereits den Abschied des Sängers.

Dieser Beigeschmack bleibt bis heute, und die Songs der Grunge-Band entfalteten in der Reduktion einen stärkeren Melancholie-Einschlag und wirkten verletzlicher. Pianist Christoph Spangenberg setzt nun mit seiner Idee, die Lieder instrumental nur auf dem Klavier darzustellen, im gut besuchten Kieler KulturForum noch einen drauf. Seinen Fokus legt der Berliner dabei auf das Durchbruch-Album Nevermind. Auf dem Flügel wird schon beim Opener Come As You Are deutlich, welche zusätzliche emotionale Tiefe er der Musik entlockt. Kurt Cobain steckte damals all seine Wut hinein. Spangenbergs Interpretationen hingegen entschleunigen in trauriger Schönheit und bringen die Tragik dahinter zum Vorschein.

Erklärend gibt der Musiker zu: „Beim Üben war es auch mehr Aufwand als gedacht.“ Hat sich aber gelohnt. Den folgenden Breed und In Bloom drückt er mit seinem Wechselspiel aus tiefen und hell melodiösen Tönen einen verspielten Stempel auf, der so frech keck wie der Irokesen-Haarschnitt des 29-Jährigen ist. Lithium und Polly stehen dem in nichts nach. Spangenberg schafft es mit Bravour, die sensiblen Töne aus Cobains Songs herauszufiltern, sie noch weiter auszumalen und auf ein Podest zu stellen. Außerdem gewinnt er den Songs mit detailverliebten Ausflügen und gezielt gesetzten Pointen neue Aspekte ab.

Und da Ausnahmen bekanntlich die Regel bestätigen, gibt es mit About A Girl und Rape Me zwei Songs, die auf Nevermind nicht enthalten sind. Natürlich nicht minder schön und keineswegs nur für Fans. Stets schallt dem Solopianisten reichlich Applaus nach den Liedern entgegen. Dann schleicht sich die Ballade Something In The Way bittersüß in die Ohren und mit Smells Like Teen Spirit fehlt auch der größte Hit nicht. Der lässt den Nirvana Ball weiterrollen und die Verneigung mit neuer innovativer Betrachtungsweise vor einer der einflussreichsten Bands der Musikgeschichte ist perfekt.

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