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Tiefgründige Leidenschaft

Pianistin Sofja Gülbadamova Tiefgründige Leidenschaft

Die Christuskirche schien als Konzertsaal in manchen Momenten zu klein für die Klangmacht, die die Pianistin Sofja Gülbadamova auf dem Flügel entfesselte. Das Publikum bedankte sich am Sonntag mit Bravos für das Konzert Romantische Leidenschaften.

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Sofja Gülbadamova riss mit ihrem Konzert die Zuhörer in der Christuskirche zu Bravo-Rufen hin.

Quelle: Beate König

Bordesholm. Die gebürtige Moskauerin, die auch in großen Konzertsälen internationale Erfolge feiert, ist in Bordesholm eine gute Bekannte. Sie spielte den Flügel des Vereins zur Förderung der Musik in der Klosterkirche Bordesholm bei seinem Einweihungskonzert.

Dementsprechend offensiv präsentierte Sofja Gülbadamova den 50 Zuhören am Sonntag romantische Musik bis in die Extreme von Leichtigkeit und tiefgründiger Leidenschaft. Besonders Johannes Brahms Sonate Nr. 2 fis-Moll op. 2 ließ das gestalterisch-dramatische Großformat der in Lübeck lebenden Musikerin leuchten.

Wie in einen feinen Ton-Kokon wob sie in einer bis ins Detail stimmigen Gesamtinterpretation das Publikum in Brahms Musik der Extreme ein. Mit geschlossenen Augen vertiefte sich die auswendig spielende Pianistin wie traumverloren in einzeln tröpfelnde Töne, um dann mit organischem Schwung große Linien im Andante auszuformulieren. Größte Elastizität im Ausdruck machte das Scherzo spannend. Auf explosive, vor Energie strotzende Fortissimi folgten immer wieder sanft ausschwingende Ruhephasen. In einer neuen Charakterfarbe glänzte das Finale. Aus liquiden, leicht perlenden Läufen entwickelten sich brillante Arabesken, denen sie transparente Akkorde gegenüberstellte.

Weitaus kantiger, den Saal mit statuarischen Attaca-Klängen fast schon martialisch füllend waren dagegen Robert Schumanns Noveletten op 21 in Gülbadamovas kraftvoller Interpretation. In den aufwühlenden Klangwogen der effektvollen Musik ließ die Pianistin ihr Publikum nicht allein zurück. Zwei Zugaben, das Intermezzo op 19 Nr.1 Johannes Brahms und Anatoly Ljadovs Mazurka op 57 Nr. 3, wurden immer träumerisch-leichter. Ein duftiger, versöhnlich-friedvoller Abendgruß aus Künstlerhand.

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