17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Hoffen auf das Slesvighus

Landestheater Hoffen auf das Slesvighus

Nun ist es der 8. Dezember, dem Peter Grisebach entgegenfiebert: Das Thema Schleswig lässt den Generalintendanten des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters nicht zur Ruhe kommen.

Voriger Artikel
A-cappella im ausverkauften Audimax
Nächster Artikel
Til Schweiger will Film über Flüchtlinge drehen

Krisenerprobt: Generalintendant Peter Grisebach muss sich weiter um den Standort Schleswig sorgen.

Quelle: pae

Schleswig. Am Dienstagabend hat die Ratsversammlung über die bereits mit dem dänischen Kulturverein SSF angebahnte Verlängerung des Mietvertrages inklusive eines umstrittenen Umbaukostenzuschusses für das Slesvighus über 2016 hinaus zu entscheiden – für jenen Saal, der nach dem Abriss des maroden Theaters am Lollfuß zumindest den Schauspielbetrieb in Schleswig aufrechterhält. Und der für Grisebach alternativlos ist, wenn die Wikingerstadt wenigstens Abstecherort des Landestheaters bleiben will.

 Am 8. Dezember soll allerdings auch über den Kauf des bisherigen Varietétheaters „Heimat“ entschieden werden, mit der Perspektive einer multifunktionalen Veranstaltungshalle im Stadtteil „Auf der Freiheit“. Das ehemalige Mannschaftsheim auf dem früheren Kasernengelände eignet sich nach Grisebachs fester Überzeugung nicht für den Theaterbetrieb. Selbst nach millionenschwerer Sanierung, selbst mit einer Zuschauertribüne hält er an diesem Ort Oper, Operette oder Musicals für undenkbar. Da hat manch Kommunalpolitiker offenbar andere Visionen. Wohl auch Bürgermeister Arthur Christiansen, der allerdings darauf hinweist, dass die „Heimat“ allenfalls mittelfristig das Slesvighus ersetzen könnte, weil für das Areal erst noch Bauplanungsrecht geschaffen werden müsse: Klassischer Theaterbetrieb ist hier derzeit gar nicht zulässig. Für Grisebach ist auch der Ort als solches problematisch: Bei seinen Sinfoniekonzerten in der A. P. Møller-Skolen nebenan seien die Abonnentenzahlen rückläufig – wohl auch wegen der abseitigen Lage.

 Insgesamt jedoch zieht der Generalintendant und Geschäftsführer eine positive Bilanz der vergangenen Spielzeit: 698 Aufführungen, 28 mehr als in der vorherigen Saison, hätten 125000 Besucher angezogen, rechnet er vor: plus 1500 – eine Stabilisierung auf freilich niedrigen Niveau. Es waren mal 160000 Besucher, als das Landestheater noch drei Stammbühnen hatte, und Schleswig neben Flensburg und Rendsburg ein voll nutzbares Theater. Im Vorjahresvergleich seien die Abonnentenzahlen jedoch stabil geblieben, aktuell hätten sich sogar deutliche Zuwächse in Heide und Meldorf ergeben. Und das, nachdem der Kreis Dithmarschen den Gesellschaftervertrag gegen die Interessen der beiden Spielorte zum Jahr 2019 fristgerecht gekündigt hatte.

 Neben Zuschauererfolgen im Bereich Operette /Musical/Ballett, etwa mit Fledermaus, Sunset Boulevard, Giselle oder Piaf, und guten Ergebnissen im Schauspiel sei das Kinder- und Jugendtheater mittlerweile „richtig groß geworden“ – bis zur Belastungsgrenze. Die neue, mobile Kooperation mit dem Kieler Jugendtheater sei „sehr offen und sehr positiv“.

 Trotz struktureller Unterfinanzierung, eines Finanzausgleichs, der die Personalkostenentwicklung nur teilweise auffangen kann, trotz schmerzhafter Einnahmeausfälle in Schleswig freut sich der krisenerprobte Intendant über einen ausgeglichenen Haushalt 2014/15. Und damit stehe die Landestheater GmbH sogar besser da, als die actori-Gutachter im Sommer prognostiziert hätten (wir berichteten). Das Eigenkapital bleibt unangetastet, das Landestheater sei zukunftsfähig. Aber nur, wenn Schleswig berechenbar (und vertragsgemäß) zumindest Abstecherort bleibt, und dann auch der Kreis Schleswig-Flensburg sein im Sommer vorsorglich aufgekündigtes Engagement neu verhandelt. Der 8. Dezember spielt da in Grisebachs Augen eine wichtige Rolle, auch wenn er mitsamt seiner Verwaltung in dieser Spielzeit nach Rendsburg umzieht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3