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Rätselhafte Beziehungen

Premiere am Polnischen Theater Rätselhafte Beziehungen

Zwei Männer liefern sich ein verbales Duell um eine Frau – viele Theaterstücke bauen auf diesem Grundmotiv auf. Eric-Emmanuel Schmitt entwickelt daraus eine Geschichte voller überraschender Wendungen. Und die Frau, um die es geht, tritt nicht einmal in Erscheinung. Am Donnerstag hat „Enigma“ Premiere im Polnischen Theater.

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Tadeusz Galia will dem Zuschauer mehr zu denken als zu sehen geben.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Der gefeierte Literaturnobelpreisträger Abel Znorko hat sich vor Jahren auf eine entlegene Insel zurückgezogen. Er mag keine Menschen und schon gar kein Presse. Um so verblüffender ist es, dass er nach Erscheinen seines Briefromans Die uneingestandene Liebe einem angeblichen Journalisten ein Interview zusagt. Eric Larsen ist in Wahrheit Musiklehrer. Er will unbedingt herausfinden, was Znorko dazu getrieben hat, den Briefwechsel zu veröffentlichen. Denn die Verfasserin des einen Teils der Liebesbriefe hat in Larsens Leben eine Bedeutung, von der Znorko nichts ahnt.

 „Es gibt vier Höhepunkte in dem Stück und jedes Mal, wenn der Zuschauer glaubt, alles Zusammenhänge zu kennen, kommt wieder etwas Neues heraus“, sagt Tadeusz Galia, der die Regie wie so oft in die Hände von Jutta Ziemke gelegt hat. Er wird den Nobelpreisträger spielen, Martin Friedrichs gibt den Interviewer. „Die beiden Männer werden einander belauern und beobachten und bald wird der Zuschauer merken, dass irgendetwas mit den beiden nicht stimmt.“ Nicht umsonst heißt das Stück Enigma (lat., „Rätsel), denn die Wahrheit über die Beziehungen der beiden Männer zu dieser einen Frau wird nur scheibchenweise preisgegeben und so bleiben die Motive ihres Handelns bis kurz vor Schluss rätselhaft.

 Charakterlich sind die Protagonisten grundverschieden. Znorko ist ein selbstverliebter Künstler, der von der Liebe schreibt, aber unfähig ist, eine Beziehung einzugehen. Er fürchtet sich vor der Liebe, von der er behauptet, sie würde seine Kreativität lähmen. „Vielleicht sagt er das nur aus Angst, verlassen zu werden. Als Schriftsteller wird er bewundert, aber vielleicht würde er als Ehemann versagen?“ Galia legt sich in der Deutung der Figur nicht fest, entsprechend offen will er die Rolle anlegen. Eindeutig an seinem Znorko ist lediglich dessen Überheblichkeit, mit der er seinen Besucher mit Beleidigungen traktiert und von oben herab behandelt. „Ich kann all meine schlechten Charaktereigenschaften ausleben“, so der Theaterchef schmunzelnd. Nach seinem Bühnenmonolog in Judas ist Enigma für ihn eine ganz andere Herausforderung, denn auch ein Dialog will packend gestaltet sein.

 Und auch das Publikum ist gefordert. „Bei uns bekommt der Zuschauer immer mehr zu denken als zu sehen. Wir machen literarisches Theater. Da muss man in die Geschichte eintauchen.“ Liebe, Ehe, Angst und Einsamkeit bestimmen das Wortgefecht zwischen Znorko und Larsen – Themen, die beinahe jeden etwas angehen. „Wir heben keinen Zeigefinger und bieten keine Rezepte“, sagt Galia. „Wir erzählen nur eine Geschichte. Doch mein Wunsch wäre, dass die Leute die angesprochenen Probleme mit ihrem eigenen Leben abgleichen.“

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