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Einfach nur Raum und Tanz

Kieler Ballettabend "Moondog" Einfach nur Raum und Tanz

Surreales zwischen Traum und Wirklichkeit, Frauen in Herrenunterwäsche, Männer auf Highheels und irgendwo heult der Mondhund: Viel Futter für Augen und Hirn verspricht der Ballettabend Blame it on the Moondog, der Sonnabend im Opernhaus Premiere feiert.

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Blame it on the moon - Darrel Toulon und Yaroslav Ivanenko

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Kiel. Zwei Tanzstücke von zwei Choreografen, inhaltlich komplett verschieden und doch lose miteinander verzahnt, sollen das Publikum mitnehmen auf eine Reise, die mit Bildern der Nacht beginnt und fortgesetzt wird mit skurrilen, lustigen und nachdenklichen Momentaufnahmen.

 Mit Darrel Toulon hat Kiels Ballettchef Yaroslav Ivanenko einen Kollegen eingeladen, der sich im Vorjahr mit seinem Stück Blame it on the Moondog nach 15 Jahren als Ballettdirektor von der Oper Graz verabschiedete. Ivanenko saß damals im Publikum und hatte sofort die Idee, „etwas damit zu machen“. Seine Reaktion auf Toulons humorvoll-verrückte, aber immer auf realen Beobachtungen basierenden Episoden sind abstrakte Bilder, mit denen er die Grenzen zwischen Traum- und Wachzustand ausloten will. Die „mysteriöse Grundstimmung“ seiner Choreographie wird getragen von der rhythmisch kraftvollen Instrumentalmusik des Finnen Kimmo Pohjonen und minimalistisch kontemplativen Kompositionen von Max Richter. „Es ist ein bisschen wie bei Alice im Wunderland. Ich möchte etwas sichtbar machen, das man fühlen, aber nicht anfassen kann.“ Und hörbar genießt es der Ballettdirektor, einmal ohne narrative Hilfsmittel auszukommen: „Es gibt kein Bühnenbild, sondern einfach nur Raum und Tanz.“

 Im zweiten Teil des Abends wird das anders. Eine Treppe führt dann von der Bühne in den Saal, so dass die Zuschauer vom ersten Moment an ins Geschehen hineingezogen werden. Zwölf Stücke der Grazer Band „The Base“ bilden den Soundtrack für 12 Episoden, die Darrel Toulon schmunzelnd als „wirklich heiß“ bezeichnet und die wie die Klangfarben der Songs komplett unterschiedlich aufgebaut sind.

 „Es ist auf keinen Fall ein erzählerisches Ballett, dennoch gibt es einen losen Bogen, der die Episoden inhaltlich miteinander verbindet“, sagt der Choreograph, der auch schon als Schauspieler gearbeitet hat. Die Musik von The Base lernte er vor zwei Jahren bei einem Konzert kennen. „Schon nach dem dritten Stück wusste ich, dass ich daraus ein Tanzstück machen wollte“, so der 51-Jährige von der Karibikinsel Dominica. Als „pechschwarze Nachtmusik, in der man sich sofort verlieren kann“ beschreibt er den Sound der Gruppe. „Ich ließ mich von der Musik peitschen und hatte sofort Bilder dazu im Kopf. Die Stimme des Leadsängers ist Sex pur, die Texte und Beats herrlich schräg, verspielt und verführerisch.“

 Um den Stücken für zwei bis sechs Tänzer folgen zu können, in denen es auch um die Begegnung mit dem eigenen Ich geht, müsse man die Songtexte allerdings nicht komplett verstehen. „In Momenten, wo das Verständnis wichtig ist, gibt es weniger Bewegung.“ Wichtig ist dem Gast aus Österreich, dass die Kieler Produktion sich vom Grazer Original unterscheidet – nicht nur, weil die Band nicht auf der Bühne steht. „Die Tänzer des Kieler Balletts haben eine eigene Energie, die sehr inspirierend für mich war.“ Neben Elementen des klassischen Balletts fließen Tanzstile von Hiphop bis Breakdance in seine Choreographie ein. „Der trainierte Körper bleibt zwar das Zentrum, aber ich bleibe an nichts hängen“, so Toulon. „Ich versuche immer, mich selbst zu überraschen.“

www.theater-kiel.de

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