25 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Kapitalismus gegen Koralle

Premiere von Marina Kapitalismus gegen Koralle

Unter dem Titel Marina zauberten die Akademien am Theater Kiel "Die kleine Meerjungfrau" auf die Bühne des Schauspielhauses und feierten damit eine zurecht mit stehenden Ovationen bedachte Premiere.

Voriger Artikel
Drei Schwestern und Heckels Bilder
Nächster Artikel
„Im Himmelreich“ in Kiel

Marina, die kleine Meerjungfrau« – ein Projekt der Akademien am Theater Kiel.

Quelle: Olaf Struck / hfr

Kiel. „Weit draußen im Meere ist das Wasser so blau wie die Blätter der schönsten Kornblume und so klar wie das reinste Glas (...) da wachsen die sonderbarsten Bäume und Pflanzen, die so geschmeidig in Stiel und Blättern sind, dass sie sich bei der geringsten Bewegung des Wassers rühren, gerade als ob sie lebten.“ So beschreibt Hans Christian Andersen das „Setting“ seines  so schönen wie traurigen und im wahrsten sinne tiefgründigen Kunstmärchens Die kleine Meerjungfrau. Unter dem Titel Marina zauberten die Akademien am Theater Kiel diesen Stoff auf die Bühne des Schauspielhauses und feierten damit eine zurecht mit stehenden Ovationen bedachte Premiere.

So ist es schon formal ein Genuss, dem bunten Treiben unter Wasser zuzuschauen, das Stefani Klie (Bühne) und Sabine Keil (Kostüme) ganz im Sinne Andersens mit bescheidenen Mitteln aber umso mehr Phantasie und Witz in Szene setzen. Beispiel: Der in wohl jedem Kinderzimmer dieser Welt beheimatete grüne Ikea-Spieltunnel „Busa“ fungiert hier als Stengel farbenfroher Unterwassergewächse. Das ist nicht nur lustig, sondern auch wirkungsvoll. Denn der Kontrast zu Welt „da oben“ , die in kaltes Licht getaucht und mit Schattenrissen arbeitend, hart und grau wirkt, ist frappant. Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendchor bilden die Orchesterakademie und der Ballettakademie die Akademien am Theater Kiel. Alle drei Education-Programme gibt es schon einige Zeit, aber zum ersten Mal traten die Akademien an diesem Abend gemeinsam auf. Mit vollem Erfolg.

Marina: Moderne Lesart von "Die kleine Meerjungfrau"

Regisseurin Nele Tippelmann und Dramaturg Ulrich Frey haben für dieses Mammut-Projekt eine moderne Lesart des Stoffes, von der Meerjungfrau, die aus Liebe zu einem Menschenmann an die Oberfläche tritt und als Preis dafür ihre Stimme verliert und zur Sterblichen wird, ersonnen Und die funktioniert trotz – oder vielleicht gerade wegen – der deutlichen Hinwendung zur aktuellen Lebenswelt junger Menschen und den damit verbundenen Themenbereichen Kapitalismus, Werteverfall, Fremdsein und Ausgrenzung sehr gut. Auch das Zusammenspiel der verschiedenen künstlerischen Formen ist brillant gelungen und überrascht mit vielen spannenden Ideen.

Der wunderbare Abend gründet auf dem Fundament der Musik von Bernd Wilden. Der Bielefelder Komponist, der schon manches Mal für das Theater Kiel komponierte, schuf eine fantastische Theatermusik, die mühelos zwischen schillerndem Broadway-Glanz, illustrativen, sinfonisch geprägten  Breitwand-Klängen, zärtlicher Kammermusik und hippen Rap- und Funkjazz Zitaten changiert.  

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3