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Ergänzung für Gottorf Sammlung findet Museum

Mit der Stiftung Bönsch kommt Grafik der klassischen Moderne nach Gottorf

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Vertrag perfekt: Museumsdirektorin Kirsten Baumann (li.) mit Sammlerin Elisabeth Bönsch.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Schleswig . Schleswig. Die Allianzen von Museen und Privatsammlern mit einer Ehe zu vergleichen, ist ein treffendes Bild. Denn hier wie dort kann auf harmonische Zweisamkeit ein Zerwürfnis folgen, das in Trennung endet. Auch die Stiftung Gottorf hat gute und schlechte Erfahrungen in diesen Dingen gemacht. Genau wie die Wolfsburgerin Elisabeth Bönsch, die gemeinsam mit ihrem 2003 verstorbenen Mann in 50 Jahren eine Kollektion von 2500 vorwiegend grafischen Werken der klassischen Moderne zusammengetragen hat, die seit 2003 als Stiftung geführt wird. Jetzt soll sie als Dauerleihgabe die Stiftung Landesmuseen bereichern. Gestern traf man sich zur feierlichen Vertragsunterzeichnung.

 Gottorf ist nicht der erste Museumsstandort für die Kollektion, die zunächst in Göppingen, dann in Braunschweig eine Heimat auf Zeit fand. An beiden Häusern hatte das kinderlose Sammlerpaar aber nicht die Bedingungen vorgefunden, die es sich wünschte. Man trennte sich und das durchaus nicht einvernehmlich. Mal zerschlugen sich ehrgeizige Neubaupläne, mal fehlte es nach Angaben der Stifter an kuratorischer Pflege. In der Rückschau sieht Sammlerin Elisabeth Bönsch die damaligen Streitpunkte milder: Die Häuser seien ja guten Willens gewesen, sagte sie gestern in Schleswig.

 Auf der Schleswiger Museumsinsel sind solche Dissonanzen nicht zu befürchten, wie Kirsten Baumann als Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte versicherte. Man sah allenthalben glückliche Gesichter, auch bei Thomas Gädeke, der als Kurator der Grafischen Sammlung nun auch die Sammlung Bönsch unter seine Fittiche nimmt. Sein Enthusiasmus gilt weniger den 50 Gemälden, wenngleich, so Gädeke, darunter schöne Stücke von Max Slevogt, Lesser Ury, Lovis Corinth und Max Liebermann seien. Als Herzstück wertet er die großen Grafikkonvolute, die vor allem mit dem französischen Impressionismus eine Lücke in Gottorf schließen könne und konservatorisch gepflegt seien. Aber auch unter den deutschen Künstlern findet sich alles, was Rang und Namen hat: von Leistikow, Menzel, Pechstein, Klinger, Dix, Heckel, Kokoschka, Hofer bis zu Vogeler, um nur einige zu nennen.

 Gottorf sichert der Sammlerin ab 2017 eine „kleine Dauerausstellung“ auf der Schlossinsel zu. Daneben kündigt Kirsten Baumann jährlich eine Sonderausstellung an. Die könne aber je nach Kontext auch in den Dependancen in Cismar oder im Jüdischen Museum in Rendsburg Sinn machen. Den ersten größeren Einblick in die Sammlung soll ab 9. Oktober die Auftaktausstellung in der Gottorfer Reithalle unter dem Titel Ouvertüre. Highlights der Sammlung Bönsch geben.

 Hilfestellung beim ersten Kontakt zur Sammlerin kam von Gabriele Wachholtz, der Vorsitzenden des Gottorfer Freundeskreises. Er werde künftig auch die Katalogfinanzierung übernehmen, hieß es gestern.

 Die 74-jährige Elisabeth Bönsch machte aus ihrer Begeisterung über die „professionellen Bedingungen“ eines Museums vom Format Gottorfs kein Hehl. „Hier wissen sie, was sie tun“, sagte die gebürtige Stuttgarterin. Und nun, da die Vertragsunterzeichnung im Hochzeitszimmer, dem Plöner Saal, stattfinde, betrachte sie sich als „ewig verbunden“, so die Sammlerin munter. – Keine weiteren Bedingungen oder Befristung? „Nein, nur die eine, dass immer etwas zu sehen sein soll und sei es auch noch so wenig.“ Ihr Zuhause in Wolfsburg, wo ihr Mann Jahrzehnte als Arzt tätig war, bleibe aber dennoch ein Museum. „Wenig Möbel, viel Kunst.“

 

 www.schloss-gottorf.de

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